Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Wer soll der das Biomasseheizwerk bauen und wer soll es zukünftig betreiben? Welche Rechtsform soll gewählt werden?

Eigenversorgung

RechtsformBiomasse-Heizwerke, die zur Eigenversorgung in Industrie- und Gewerbebetrieben installiert werden, werden in der Regel auch firmenintern geführt. Ein Anschluss benachbarter Unternehmen an die Wärmeversorgung ist möglich und kommt in Praxis hin und wieder vor.

Auch Kommunen können Biomasse-Heizwerke selbst installieren und betreiben. Häufig werden in solchen Beispielen ausschließlich kommunale Gebäude mit Wärme versorgt, aber auch ein Wärmeverkauf an Privatpersonen oder Firmen ist denkbar. Der Betrieb kann dabei an kommunale Eigenbetriebe (z. B. Stadtwerke) abgegeben werden oder je nach Größe des Heizwerks von eigenem Betriebspersonal übernommen werden (z. B. Hausmeister von Schulen oder Behörden).

Unter Umständen kann es sinnvoll sein, dass die Kommune eine GmbH als Betreibergesellschaft gründet, um z. B. in den Genuss des Vorsteuerabzugs zu kommen.

Betreibergesellschaften

Häufig werden für den Betrieb eines Biomasse-Heizwerks Betreibergesellschaften gegründet, die als Rechtsform eine GdbR, GmbH oder GmbH & Co. KG darstellen. Als Gesellschafter treten häufig Waldbauern und am Projekt beteiligte Firmen auf, genauso können auch ortsansässige Unternehmen, Privatleute oder auch die Kommune an der Gesellschaft beteiligt sein.

Bevor die endgültige Entscheidung zur Realisierung des Heizwerks gefällt ist, wird manchmal zunächst eine GbR als Initiatorengesellschaft gegründet, die später, sobald Verträge unterzeichnet und Investitionen getätigt werden sollen, in eine GmbH umgewandelt wird. Stille Teilhaber, z.B. Brennstofflieferanten, können sich durch Kapitalbeteiligungen an einer KG beteiligen, die als Co. KG an eine GmbH angehängt wird. Mittlerweile betreiben manche Betreibergesellschaften mehrere Biomasse-Heizwerke und bringen so ihre Erfahrungen in neue Projekte ein. In so einem Fall kann Eigenkapital für ein neues Heizwerk z. B. durch den Anschluss einer weiteren KG an die bestehende GmbH bereitgestellt werden.

Genossenschaft

Insbesondere in Hinblick auf die Akzeptanz von Bioenergieanlagen gewinnt die Gesellschaftsform einer Genossenschaft zunehmend an Bedeutung. Eine Genossenschaft ist zum Wohle der Mitglieder angelegt und sieht eine gleichberechtigte Teilnahme aller Mitglieder unabhängig von der Höhe der Einlage an der Entscheidungsfindung vorsieht.

Ähnlich wie bei der GmbH können sich hier Wärmeabnehmer an dem Heizwerk beteiligen. Diese Rechtsform wurde in Deutschland bisher selten für Biomasse-Heizwerke verwendet, ist aber immer mehr im Kommen. Relativ häufig zu finden ist die Genossenschaft im Bereich der Wind- und Solarenergie. Nähere Informationen zu diesem Thema bietet u.a. der Genossenschaftsverband Bayern e.V.

Contracting

Beim Contracting wird der Bau und damit auch die Finanzierung oder der Betrieb des Biomasse-Heizwerks an externe Unternehmen abgegeben. Diese Unternehmen können z. B. Energieversorger oder auch bereits erfahrene Heizwerksbetreiber "aus dem Nachbarort" sein. Hier werden die zwei wichtigsten Contractingmodelle kurz vorgestellt, auf die vor allem zurückgegriffen wird:

 

  • Energieliefercontracting
    Wenn das Projekt z. B. von einer Kommune in Zusammenarbeit mit Waldbauern realisiert werden soll, jedoch weder die Kommune noch die Waldbauern zu Investitionen bereit sind, kann ein externes Unternehmen die Finanzierung und den Betrieb des Biomasse-Heizwerks übernehmen. Der eigentliche Betrieb wird häufig durch Unteraufträge an ortsansässige Firmen oder Personen vergeben. In der Regel bieten sich Energieversorgungsunternehmen als Contractoren an. Mittlerweile gibt es jedoch auch Betreiber von Biomasse-Heizwerken, die zusätzlich Heizwerke in benachbarten Orten betreiben.
    Ein Vorteil des Contractings ergibt sich aus dem Wissen und der Erfahrung, die in ein neues Projekt einfließen, wenn ein professioneller Betreiber gefunden wird. Dadurch können Planungsfehler vermieden und gegebenenfalls Investitionen gesenkt werden. Dem gegenüber steht in der Regel ein höherer Wärmepreis, der von den Wärmeabnehmern gezahlt werden muss, da verständlicherweise auch der Contractor einen Gewinn erzielen will. Nach Ablauf des Contractingvertrags können z. B. die technischen und baulichen Anlagen gegen Erstattung des Restwertes in den Besitz der Kommune oder eines anderen vorzugsweise größeren Wärmeabnehmers übergehen.

  • Betreibercontracting
    Beim Betreibercontracting wird die Investition von z. B. einem Industriebetrieb, der mit Wärme aus Biomasse versorgt werden soll, getätigt, so dass die Anlage im Besitz der Firma bleibt. Lediglich der Betrieb der Heizanlage und die Brennstoffbeschaffung wird von einem Contractor übernommen. Diese Variante wird vor allem dann gewählt, wenn wie in diesem Beispiel der Industriebetrieb selbst kein Personal für die Betreuung der Heizanlage bereitstellen will oder kann.

 

Eine Liste von Firmen, die sich mit Wärmelieferung und Contracting befassen, finden Sie hier.

Beratungsleistungen bieten C.A.R.M.E.N. e.V. und das Kompetenzzentrum Contracting.

 


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