Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Wann und wo lohnt sich ein Biomasseheizwerk? Je größer der Energiebedarf für Raumwärme, Warmwasser oder Prozesswärme eines Objektes über das Jahr gesehen ist, um so vorzüglicher wird sich eine Biomassefeuerung im Vergleich zur fossilen Versorgung rechnen, denn eine Hackschnitzelheizanlage kennzeichnen hohe Investitionen in die Anlagentechnik, die sich über die Stückzahl „verkaufter Wärmemenge“ erst einmal amortisieren müssen.

 

NahwaermeverbundOptimale Wärmeabnehmer sind daher Krankenhäuser, Schulen, Gewerbebetriebe mit hohem Prozesswärmebedarf oder mehrgeschossige Wohnbauten, bei denen eventuell eine Sanierung der alten Heizanlage ansteht. Kleine Einzelobjekte, gebaut nach der Energieeinsparverordnung oder ganze Neubaugebiete sind für eine zentrale Versorgung durch ein Hackschnitzelheizwerk dagegen schlecht geeignet. Alternativ könnte man hier aufgrund des niedrigen Energiebedarfs der Wohnhäuser auf den Betrieb von Kleinfeuerungsanlagen ausweichen, die über ein räumlich sehr eng begrenztes Netz eine Wohnhauszeile versorgen.

In der Regel muss eine Wärmeleitung verlegt werden, um die verschiedenen Wärmeabnehmer zu erschließen. Hier muss beachtet werden, dass beim Transport von Wärme mittels Leitungen immer Verluste auftreten, da die Leitung Wärme an die Umgebung – also das Erdreich – abgibt. Die Wärmeverluste sollten so gering wie möglich gehalten werden. Hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit eines Nahwärmenetzes ist zudem zu berücksichtigen, dass die Investition in das Netz stets im Verhältnis zum Wärmeverkauf stehen muss. Allgemein ist also darauf zu achten, dass mit einer möglichst kurzen Leitung eine möglichst hohe Wärmeabnahme erreicht wird.

Anschließer an ein Wärmenetz lassen sich hinsichtlich ihrer Eignung folgendermaßen einteilen:

 

Sehr  gute Eignung
-        Schwimmbäder, Schulen, Krankenhäuser, Wohnheime
-        holzverarbeitende Betriebe mit Trocknungsanlage
-        Molkereien, Brauereien, Schlachthöfe
-        bestehende Wohngebiete mit dichter Bebauung, mehrgeschossige Bauten

Bedingte Eignung
-        reine Wohn-/Neubaugebiete mit dichter Bebauung
-        kleinere kommunale Gebäude
-        gemischte Gewerbebetriebe
-        Industrieanlagen

Geringe Eignung
-        reine Wohn-/Neubaugebiete in Niedrigenergiebauweise
-        wenige Wohnhäuser (Ein- und Zweifamilienhäuser)
-        kleine Einzelobjekte mit geringem Wärmebedarf (z. B.  Bauhöfe)

 

Schulzentren, Krankenhäuser, Wohnheime und Mehrfamilienhäuser bieten häufig den für die Realisierung von Biomasseheizwerken erwünschten hohen Wärmebedarf bei geringer erforderlicher Leitungslänge. Außerdem weisen sie einen Lastgang auf, also eine Verteilung des Bedarfs über den Tag und über das Jahr, welcher sich relativ gut für den Betrieb eines Biomasseheizwerkes eignet. Dementsprechend sind es diese Objekte, bei welchen sich die meisten Biomasseheizwerke finden.

Überhaupt lohnt sich ein Blick auf den Lastgang der zu versorgenden Objekte. Wohnhäuser benötigen hauptsächlich Raumwärme - im Winter viel, im Sommer nichts -, außerdem ganzjährig etwas Wärme zur Trinkwassererwärmung. Ein Heizwerk, welches ausschließlich Wohngebäude versorgt, wird also in der Regel nur im Winter und in der Übergangszeit betrieben werden. Die Trinkwassererwärmung im Sommer muss eventuell dezentral vor Ort erfolgen, damit das Wärmenetz nicht auch im Sommer bei wenig Bedarf verlustreich auf Temperatur gehalten werden muss. Anders bei Wohnheimen, Hotels oder Krankenhäusern: Hier kann der Sommerbedarf so groß sein, dass ein ganzjähriger Betrieb des Heizwerks sinnvoll sein kann. Auch kann beispielsweise die zusätzliche Versorgung eines Freibades, welches ausschließlich im Sommer Wärme benötigt, dazu beitragen, dass ein "Sommerloch" im Lastgang eines Nahwärmenetzes ausgeglichen wird.

Wird ein Schulzentrum an ein Wärmenetz angeschlossen, welches sonst nur kleinere Wohngebäude versorgt, dann ist über das Jahr gesehen mit erheblichen Lastunterschieden zu rechnen. Im Einzelfall ist zu klären, ob diese Versorgung überhaupt sinnvoll ist und wie der geringe Sommerbedarf der Wohngebäude gedeckt werden kann, ohne das Biomasseheizwerk dafür nutzen zu müssen. Erschwerend kommt bei solchen Projekten häufig hinzu, dass der Träger der Schule eventuell nicht als Energieversorger für benachbarte private Wohngebäude auftreten kann. Meist ist eine getrennte Versorgung der Schule mittels Biomasseheizwerk und der umliegenden Wohngebäude sinnvoll.

Auch bei der Versorgung von Gewerbeobjekten sind einige Besonderheiten zu beachten. Kritisch können ausgeprägte Lastspitzen sein, wie sie beispielsweise bei Brauereien auftreten: Innerhalb kurzer Zeit wird relativ viel Wärme benötigt, den Rest des Tages braucht man nur noch wenig oder garkeine Wärme mehr. Ein relativ träger Holzheizkessel kann solchen Lastspitzen u.U. nicht schnell genug folgen, so dass ggf. mit Wärmespeichern gearbeitet werden muss. Im gewerblichen Bereich wirken sich vor allem die längeren Amortisationszeiten von Biomasselösungen hemmend auf deren verstärkten Einsatz aus.