Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Stromnutzung

Der erzeugte Strom kann entweder in das öffentliche Netz eingespeist werden oder selbst genutzt werden. Aufgrund der derzeitigen Gesetzeslage ist eine möglichst hohe Eigennutzung des Stroms wirtschaftlich vorteilhaft.

 

Vergütung nach dem EEG

Einnahmen der Netzeinspeisung

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert für 20 Jahre eine festgelegte Vergütung für in das öffentliche Netz eingespeisten Strom, ausgezahlt wird diese Vergütung durch den Stromnetzbetreiber. Die Vergütung steht jeder Anlage zu, die Strom aus Biomasse im Sinne der Biomasseverordnung erzeugt. Der Einsatz von Stoffen, die nicht nach der Biomasseverordnung anerkannte Biomasse darstellen, also z.B. Altholz, ist auch in Teilen nicht gestattet.

Die Höhe der Einnahmen wird dabei immer anhand der sogenannten „anzulegenden Werte“ berechnet. Während seit 2017 bei Anlagen mit einer installierten Leistung über 150 kW der anzulegende Wert über Ausschreibungen ermittelt wird, ist für Anlagen bis 150 kW der maßgebliche anzulegende Wert weiterhin im EEG festgelegt. Dieser Wert unterliegt einer halbjährlichen Degression und sinkt jeweils zum 1.April und 1.Oktober eines Jahres um 0,5 %. Der aktuell gültige Wert wird immer vom Basiswert ausgehend berechnet und dann auf zwei Nachkommastellen gerundet.

Installierte Leistung

≤ 150 kW

Anzulegender Wert (Basiswert aus dem EEG)

13,32 Ct/kWh

Anzulegender Wert (Stand Oktober 2017) 13,19 Ct/kWh


Weiterhin ist zu beachten, dass ab einer Anlagegröße von 100 kW der erzeugte Strom direktvermarktet werden muss. Eine Vergütung im engeren Sinn gibt es nur noch für Anlagen bis 100 kW elektrischer Leistung. Zur Ermittlung der Höhe der Vergütung müssen noch 0,2 Cent von dem in der obigen Tabelle aufgeführten aktuell gültigen anzulegenden Wert abgezogen werden. Der Nachweis zur Erfüllung der Vergütungsvoraussetzungen erfolgt im Jahr nach der Inbetriebnahme bis zum 28.Februar durch ein Umweltgutachten.

Anmerkung: Bei der Einteilung der anzulegenden Werte bedient sich das EEG eigentlich der sogenannten „Bemessungsleistung“, die als der Quotient aus der Summe der in dem jeweiligen Kalenderjahr erzeugten Kilowattstunden und der Summe der vollen Zeitstunden des jeweiligen Kalenderjahrs definiert ist. Die Bemessungsleistung ist also immer kleiner als die installierte Leistung. Für Anlagen mit einer installierten Leistung über 150 kW, die eine Bemessungsleistung unter 150 kW haben, ist aber aufgrund der Verpflichtung zur Teilnahme an Ausschreibungen der anzulegende Wert aus dem EEG irrelevant. Deswegen wurde in obiger Tabelle zur Vereinfachung die Bemessungsleistung durch die installierte Leistung ersetzt.

Vermiedene Ausgaben durch Eigennutzung

Da die durch das EEG zugesicherte Vergütung deutlich niedriger als der Stromeinkaufspreis ist, ist eine Strom-Eigennutzung wirtschaftlich sehr attraktiv. Als Eigennutzung gilt derjenige Stromverbrauch, den die Person des Anlagenbetreibers selbst verbraucht. Dabei kann der Betreiber eine natürliche oder juristische Person sein. Meistens ist der Betreiber Eigentümer der Anlage, er kann aber auch Mieter der Anlage sein.

Seit dem EEG 2014 ist jedoch zu beachten, dass die Eigenstromnutzung mit der EEG-Umlage belastet wird. Das bedeutet, dass für jede selbst erzeugte und genutzte kWh EEG-Umlage zu entrichten ist, wobei Holzvergasungsanlagen als EEG- und KWK-Anlagen nicht die volle Umlage zahlen müssen. Bei Eigenstromnutzung sind für Holzvergasungsanlagen seit dem Jahr 2017 40 % der aktuell gültigen EEG-Umlage fällig.

Vergütung nach dem KWKG

Da es sich bei Holzvergasungsanlagen um Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen handelt, besteht auch die Möglichkeit, sich seinen erzeugten Strom nach dem Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz (KWKG) vergüten zu lassen. Dies schließt jedoch dann eine Vergütung nach dem EEG aus. Beim KWKG wird im Gegensatz zum EEG keine feste Vergütung pro kWh eingespeisten Stroms ausgezahlt, sondern ein fester Zuschlag pro erzeugte kWh. Dieser Zuschlag wird für eine gewisse Dauer allgemein auf eingespeisten Strom, im Leistungsbereich bis 100 kW auch auf selbstgenutzten Strom bezahlt. Damit ist die Vergütung nach dem KWKG in erster Linie für kleine Anlagen mit einer hohen Strom-Eigennutzung interessant.

Voraussetzung für den Anspruch auf Zahlung des Zuschlags ist die Zulassung als KWK-Anlage beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Zusätzlich zu dem festgesetzten Zuschlag wird vom Netzbetreiber für den eingespeisten Strom der ausgehandelte Preis (üblicherweise der durchschnittliche Preis für Grundlaststrom an der Strombörse EEX in Leipzig im jeweils vorangegangenen Quartal) ausbezahlt. Die Höhe des Grundlaststrompreises an der Strombörse EEX in Leipzig findet sich zum Beispiel beim  BHKW Infozentrum Rastatt (https://www.bhkw-infozentrum.de/statement/ueblicher_preis_bhkw.html). Die Höhe des Zuschläge und die Auszahlungsdauer ist hier nach der installierten elektrischen Leistung gestaffelt, die Verrechnung erfolgt wie beim EEG anteilig auf die Leistungsklassen.

Installierte Leistung

≤ 50 kW

≤ 100 kW

≤ 250 kW

Zuschlag für eingespeisten Strom (Ct/kWh)

8

6

5

Zuschlag für eigengenutzten Strom (Ct/kWh) 4 3 -

Dauer

60.000 Vbh

30.000 Vbh

30.000 Vbh

 

Wärmeverkauf

Holzvergasungsanlagen im kleinen Leistungsbereich werden meist mit dem Ziel errichtet, neben dem Strom auch große Anteile der Wärme aus dem Blockheizkraftwerk (BHKW) zu nutzen. Während bezüglich der eingespeisten Strommengen das EEG oder KWKG, wie oben beschrieben, den Vergütungsrahmen vorgibt und absichert, muss sich der Anlagenbetreiber hinsichtlich der erzeugten Wärmemengen selbst um eine möglichst lukrative Vermarktung kümmern. Die betriebswirtschaftliche Auswertung der Betreiberbefragung hat gezeigt, dass die Erzielung von nennenswerten Wärmeverkaufseinnahmen ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg des Anlagenkonzepts ist und daher unbedingt bei der Planung berücksichtigt werden sollte. Bei Vereinbarung einer Preisgleitklausel sollte diese unter Beachtung der aktuellen Rechtsprechung die tatsächliche Änderung der Wärmegestehungskosten widerspiegeln. Je nach Umfang und Komplexität der getroffenen Vereinbarungen sollte auch das Hinzuziehen von juristischer Beratung in Erwägung gezogen werden.

Sonstige Einnahmen

Wenn unter sonstigen Einnahmen beispielsweise die Erlöse aus der Trocknung von Holz aufgeführt werden, ist dies kritisch zu hinterfragen. Wenn es sich dabei nicht um Einnahmen aus Wärmeverkauf an eine Holztrocknungsanlage handelt, sondern mit der Vergasungsanlage zusammen eine Holztrocknung betrieben wird, deren Produkte vermarktet werden, müssen die entsprechenden Investitionen, der Eigenstrombedarf dieser Anlage und alle anderen zusätzlich notwendigen Kostenfaktoren (z. B. Instandhaltung) auch auf der Ausgabenseite berücksichtigt werden.


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