Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Für die Betreiber von Biogasanlagen bestehen noch viele Möglichkeiten, die wirtschaftliche Situation ihrer Anlage zu verbessern. „Sehr oft haben die Landwirte noch nicht alle Boni genutzt, die gesetzlich möglich wären“, berichtete Rechtsanwalt Dr. Helmut Loibl von der Kanzlei Paluka, Sobola, Loibl & Partner aus Regensburg. Laut Loibl vergessen viele Betreiber, dass sie Boni aus älteren Versionen des EEG, vor allem aus 2004 und 2009 heute noch neu in Anspruch nehmen können, wenn ihre Anlage in diesem Zeitraum in Betrieb gegangen ist. Eine Anlage aus dem Jahr 2006 kann beispielsweise noch den Bonus für Kraft-Wärme-Kopplung des EEG 2004 in Höhe von 2 ct/kWh nutzen. Dieser Bonus wäre auch mit einer Holztrocknung möglich. „Aber ich rate jedem Betreiber, sich schon heute um einen richtigen Wärmerlös zu kümmern und nicht auf den KWK-Bonus allein zu verlassen“, so der Anwalt. Denn der Bonus fällt spätestens nach 20 Jahren EEG-Vergütung weg.

Die Wärmeerlöse sind dann entscheidend, wenn Betreiber unter dem EEG 2017 an Ausschreibungen teilnehmen wollen. „Das Ausschreibungsvolumen für Biomasse insgesamt beträgt nur 150 MW pro Jahr. Das könnte theoretisch mit 15 großen Biomassekraftwerken zu deutlich günstigeren Ausschreibepreisen ausgeschöpft sein“, warnte Loibl. Es ist daher sehr wichtig, mit zusätzlichen Erlösen, wie z.B. aus dem Wärmeverkauf eine Ausgangsposition zu schaffen, bei der auch mit niedrigen Erlösen wirtschaftlich produziert werden kann. Der Maximalpreis für bestehende Anlagen, die an der Ausschreibung teilnehmen, beträgt 16 ct pro kWh.

Zusätzlich müssen Altanlagen die Vorgaben der EEG 2017 erfüllen. D.h. sie dürfen max. 50 % Mais einsetzen und müssen „doppelt überbaut“ sein, um flexibel Strom liefern zu können. Einen Vorteil sieht er hingegen darin, dass es keine Höchstbemessungsleistung mehr gibt. Die Anlagen sind also bei Erweiterungen, zumindest über das EEG, nicht mehr eingeschränkt.

Loibl rät dazu, sich Gedanken über die Flexibilitätsprämie zu machen. Denn damit – und ggf. mit dem anschließenden Flexzuschlag - ließe sich ein neues BHKW finanzieren. „Daher ist der jetzige Zeitpunkt richtig, denn man weiß nicht, wie lange es die Flexprämie noch geben wird“, betonte er.

Die im nächsten Jahr beginnenden Ausschreibungen stellen eine weitere Möglichkeit dar, an der sowohl alte als auch neue Anlagen teilnehmen können. Der Anwalt rät dazu, bereits drei Jahre vor Vergütungsende an einer Ausschreibung teilzunehmen. Da so gewährleistet ist, dass auch bei erstmaliger Ablehnung des Gebots eine erneute Teilnahme im darauffolgenden Jahr gesichert ist. „Wer dagegen bis zum letzten Jahr der EEG-Vergütung wartet und dann abgelehnt wird, muss unter Umständen ein Jahr lang ohne Vergütung auskommen, was das Aus für ihn bedeutet“.

Für Anlagen die vor dem 1.1.2009 erheblich investiert haben sieht Loibl eine Alternative zur Ausschreibung, da damals die „Modernisierungsregelung“ galt. D.h. wer nach der Inbetriebnahme mehr als 50 % der fiktiven Neuerstehungskosten investiert hat, hatte die Möglichkeit ein neues Inbetriebnahmejahr zu bekommen. Eine Modernisierung dieser Art kann auch heute noch anerkannt werden.

Probleme können sich hier hingegen für Zündstrahl-BHKWs ergeben. Wurden diese zu stark modernisiert, könnten sie als Neuanlage gelten und somit könnte es zu Konflikten beim Einsatz von fossilem Heizöl als Stützfeuerung kommen. Da Anlagen, die nach dem 1.1.2007 ans Netz gegangen sind, Pflanzenöl oder Rapsmethylester (Biodiesel) einsetzen müssen. „Wenn ein Anlagenbetreiber mit Inbetriebnahmedatum vor dem 1.1.2007 sehr viel in seine Anlage investiert und dadurch Neuanlagenstatus bekommt, aber bislang fossiles Heizöl eingesetzt hat, würde er eine unzulässige Mischfeuerung betreiben, die zum Komplettverlust der EEG-Vergütung führt“, betont Loibl. „Wer fossilen Zündstrahl fährt, darf maximal bis Ende 2006 modernisiert haben, nicht später.“ Des Weiteren darf die vorgeschriebene Menge an Stützfeuerung nicht überschritten werden. Zündöl darf nur in einem technisch notwendigen Anteil eingesetzt werden. Jegliche Überschreitung bedeutet eine unzulässige Mischfeuerung und den Verlust der EEG-Vergütung.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.topagrar.com/news/Energie-Energienews-Biogas-Nutzen-Sie-jetzt-die-Chancen-des-EEG-2017-4718398.html


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