Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Straubing, 9. November 2017 * Ab dem Jahr 2020 läuft für immer mehr der ca. 9.000 Biogasanlagen in Deutschland die auf 20 Jahre garantierte EEG-Vergütung aus. Daher stellen sich immer mehr Betreiber die Frage: Wie geht nach dem Ende der EEG-Vergütung weiter? Aber auch bei Neuanlagen muss geklärt werden, wie diese wirtschaftlich betrieben werden können.

Biogasanlagen können einen großen Betrag zur Energiewende leisten. Um die schwankende Stromerzeugung durch immer mehr Wind- und Sonnenenergie auszugleichen, müssen Biogasanlagen zukünftig nicht mehr konstant, sondern flexibel produzieren. Zur Flexibilisierung einer Biogasanlage kann eine Methanaufbereitungsanlage nachgerüstet werden oder die Kapazität des Gasspeichers und des BHKWs erhöht werden. Diese Maßnahmen sind jedoch häufig nicht wirtschaftlich, ein weiterer Gesichtspunkt ist der steigende Aufwand für die Anlagensicherheit bei großen Gasspeichern.

Eine ökonomisch vielversprechendere und sicherheitstechnisch unproblematischere Lösung stellt eine flexible Substratzuführung dar. Es wird je nach Strombedarf viel oder wenig eingebracht. Wissenschaftler der Universität Hohenheim wollen im Projekt OptiFlex diesen Ansatz weiterentwickeln. Als Basis der Forschungsarbeit dient das Prozessmodell des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) für prädikative (vorhersagbare) Fütterung. Hier geben Netzfahrpläne den zu erwartenden Stromverbrauch an. Über einen Optimierungsalgorithmus werden dann Fütterungsmenge und Mischungsverhältnis der verfügbaren Substrate ermittelt. Mit Hilfe dieses Ansatzes lassen sich bis zu 50 Prozent der für den zusätzlichen Gasspeicher benötigten Investitionen einsparen. Weitere Anpassungen müssen an der Eintragungs- und Rührtechnik vorgenommen werden, da große Substratmengen in kurzer Zeit optimal bewegt werden müssen. An diesem Punkt setzt OptiFlex an. Das Forscherteam will Regelalgorithmen für alle zentralen und peripheren Anlagenkomponenten entwickeln. Die Optimierung betrifft neben den Rührwerken auch Einrichtungen zum Substrataufschluss, die definierte Substrateigenschaften bereitstellen müssen. Hier wird an Arbeiten des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) über die Zusammenhänge zwischen Substrateigenschaften, Prozessbedingungen, Strömungsprofile im Reaktor und Biogasausbeute angeknüpft.

Praktisch erprobt wird die neue Systemlösung in der Forschungsbiogasanlage „Unterer Lindenhof“ der Uni Hohenheim.

Das entwickelte Konzept soll nicht nur zur Ausrüstung neuer, sondern auch zur Nachrüstung bestehender Anlagen verwendet werden können. OptiFlex kann als „Post-EEG-Strategie“ einen Betrag dazu leisten, Biogasanlagen effizienter zu machen und für die Zukunft zu rüsten. Flexible Biogasanlagen sollen wirtschaftlich bedarfsgerechten Strom erzeugen, idealerweise auch ohne Vergütung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Das Forschungsprojekt „Optimierung des Betriebs und Designs von Biogasanlagen für eine bedarfsgerechte, flexibilisierte und effiziente Biogasproduktion unter Berücksichtigung der Prozessstabilität als Post-EEG-Strategie (OptiFlex)“ wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert.

Weitere Informationen finden Sie auf https://www.fnr.de/projektfoerderung/projekte-und-ergebnisse/projektverzeichnis/ unter den Förderkennzeichen 22402716, 22401617, 22401717, 22402017 und 22402117.


Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok