Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Straubing, 08. Dezember 2016 * Das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) der Hochschule Trier untersucht seit 2007 die Möglichkeit, Eingriffe in Natur und Landschaft durch den extensiven Anbau nachwachsender Rohstoffe zu kompensieren. Dafür wurden vier Modellregionen etabliert und bewertet. Das letzte von vier Projekten wurde nun mit einem Praxisleitfaden abgeschlossen.

Die Arbeit der Forscher widmete sich dem Ansatz „Extensive Landnutzungskonzepte für die Produktion nachwachsender Rohstoffe als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen (ELKE)“. Gefördert wurde das Vorhaben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR).

Werden Flächen durch den Bau von Straßen oder Gebäuden versiegelt oder umgewidmet, ist der Bauherr dazu verpflichtet, Naturschutz-Ausgleichsflächen, sogenannte Kompensationsmaßnahmen zu finanzieren. Häufig werden beispielsweise Hecken oder Bäume gepflanzt bzw. Acker in Grünland umgewandelt, um die Ausweisung eines neuen Baugebiets zu kompensieren. In Kombination mit der hohen Flächenversiegelung geht so deutschlandweit eine Vielzahl produktiver Flächen verloren. Diese stehen dann nicht mehr für die Produktion von Nahrung, Futtermittel oder nachwachsenden Rohstoffen zur Verfügung.

Laut dem ELKE- Konzept führen Landwirte die ökologischen Ersatzmaßnahmen an Stelle des Ausgleichsverpflichteten durch. Die Landwirte verfügen dann weiter über ihre Flächen und bauen dort extensiv Energiepflanzen oder Pflanzen für die stoffliche Nutzung zum Beispiel als Energiehecke an. Die Verringerten Einnahmen des Landwirts werden durch ein Ökokonto oder Fonds ausgeglichen. In dieses Konto zahlen die Bauherren als Verursacher bereits jetzt ein, heute werden diese Mittel jedoch meist für den Ankauf von Flächen verwendet. Der produktionsintegrierte Naturschutz kann mittelfristig nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische Vorteile bieten. Zum einen bietet sich hierdurch die Möglichkeit größere und vernetzte Flächen anzulegen. Zum anderen sind Naturschutzmaßnahmen mit Nutzung auch langfristig gesichert, da die Landwirte auch ein betriebliches Interesse an ihnen haben. Da unsere heutige Kulturlandschaft größtenteils aufgrund menschlicher Nutzung entstanden ist, kann die damit einhergehende biologische Vielfalt wiederum nur durch eine kontinuiertliche Nutzung gewährleistet werden. Wird daher nach der Etablierungsphase die Pflege aus Kostengründen aufgegeben, kann sich bei Hecken oder Streuobstwiesen der ökologische Wert stark verringern. Beispielsweise dünnen ungeschnittene Hecken im unteren Bereich aus und bieten damit weniger Schutz für Wildtiere. Bei Obstbäumen besteht die Gefahr der Vergreisung, sie sind dann anfälliger für Windbruch. Auch die gewünschten Baumhöhlen, die durch Insekten und Vögel angelegt werden, bleiben aus.

Der ELKE-Ansatz wurde in vier Modellregionen praktisch erprobt. Bayerische und hessische Landwirte und eine Gemeinde in Niedersachsen haben Energiehecken angelegt. Die erzeugten Hackschnitzel werden hier zur Wärmeerzeugung genutzt. Außerdem erprobt eine Stiftung im Saarland den Anbau von Wildkraut- und Getreidegemengen für eine Biogasanlage. Die regionale Wertschöpfung aus der Rohstofferzeugung und -verwertung mindert auf diesem Weg die reinen Naturschutzkosten und leistet zudem einen Deckungsbeitrag in landwirtschaftlichen Betrieben.

Zwischenzeitlich haben sich außerdem erste Regionen dazu entschieden, dass ELKE-Konzept mit eigenen finanziellen Mitteln umzusetzen. Denn es wird immer deutlicher, dass die strikte Trennung von Kompensation und landwirtschaftlicher Produktion immer näher an ihre Grenzen kommt. Es wird immer schwieriger Flächen zu erwerben, des Weiteren werden die angebotenen Flächen immer teurer. Ein integrierter Ansatz ist daher in vielen Regionen eine praktikable und langlebige Lösung.

Alle Projektergebnisse stehen Ihnen auf landnutzungsstrategie.de zur Verfügung.

 

 


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