Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Straubing, 20. Juni 2016 * "Der Blick vom rund 17 Meter hohen Faulturm der Kläranlage Schönermark im brandenburgischen Landkreis Oberhavel schweift über Felder und Weiden. Doch die ländliche Idylle trügt. Denn unter den Füßen des Betrachters im Inneren des Faulturms gärt es – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

In einem aufwändigen Verfahren wird dort der aus dem Schmutzwasser gewonnene Klärschlamm auf etwa 39 Grad Celsius erhitzt und luftdicht über einen Zeitraum von bis zu 24 Tagen ausgefault. Am Ende dieses Prozesses entsteht Klärgas– ein Gasgemisch, das in wesentlichen Teilen aus leicht brennbarem Methan sowie Kohlendioxid besteht und das sowohl als Heizenergie als auch zur Stromerzeugung genutzt werden kann.

Seit September 2014 kommt dieses Verfahren im Klärwerk Schönermark zur Anwendung: Um Energie für den Eigenbedarf erzeugen zu können, entschied sich der Trink- und Abwasserverband (TAV) Lindow-Gransee als Betreiber der Anlage im Jahr 2012 zu einem energieoptimierten verfahrenstechnischen Umbau. „Wir mussten die Kapazität der Kläranlage auf 42.000 Einwohnerwerte erweitern“, erläutert Anke Freitag, Verbandsvorsteherin des TAV Lindow-Gransee. Einer der Gründe: Eine ortsansässige Molkerei hatte ihre Produktion erheblich ausgebaut. In der Folge musste in der Kläranlage zusätzliches Schmutzwasser entsorgt werden. Insgesamt werden in Schönermark jährlich 1,1 Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt.

Energetischer Nutzen:

Eine Wirtschaftlichkeitsstudie ergab, dass die Umrüstung auf eine Anlage mit Schlammfaulung zwar kurzfristig teurer ausfällt, sich langfristig aber schneller amortisiert. Denn mit dem im Faulturm generierten Klärgas erzeugt nun ein extra installiertes Blockheizkraftwerk Strom und Wärme für die eigene Versorgung. „Damit decken wir etwa die Hälfte des Energieverbrauchs der Kläranlage“, beziffert Anke Freitag den Einspareffekt.

In Zahlen: Der TAV Lindow-Gransee spart jährlich zirka 500.000 Kilowattstunden an zugekauftem Strom. Zusätzlich schont das neue Verfahren die Umwelt – nicht nur die Klärschlammmenge wird reduziert, es fallen auch rund 670 Tonnen weniger Kohlendioxyd an. Und schließlich profitieren die Bürger im Verbandsgebiet: Die Ersparnis bei den Energiekosten hilft dem TAV Lindow-Gransee, die Gebühren für die Abwasserentsorgung stabil zu halten.

KFW-Förderung für Energetische Stadtsanierung:

Für den TAV Lindow-Gransee stellte der Umbau die größte Investition seit Bau der zentralen Kläranlage dar. Insgesamt zahlte der kommunale Zweckverband 5 Millionen Euro. „Für die Finanzierung haben wir ein Darlehen über 2 Millionen Euro aus dem Programm IKK - Energetische Stadtsanierung – Quartiersversorgung (201) der KfW in Anspruch genommen“, so Freitag. Für das Programm sprach aus Sicht der Verbandsvorsteherin vor allem der stark verbilligte Zins. „Weil der späte Wintereinbruch 2013 das Bauvorhaben unerwartet verzögerte, waren die niedrigen Finanzierungskosten besonders hilfreich“, erklärt Freitag weiter."

 

Quelle: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Öffentliche-Einrichtungen/Energetische-Stadtsanierung/Erfolgreiche-Beispiele/Umbau-der-Kläranlage-Schönermark/index.html


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