Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Finnisches Unternehmen entwickelt neue Technik

Straubing, 06. Juni 2016 (*cli*) Gas und Dünger aus Hühnermist ist schon lange keine Zukunftsidee mehr. Lediglich ein zu hoher Anteil an tierischen Exkrementen bereitet bisher Probleme, da hier die gaserzeugenden Bakterien gehemmt werden. Die Mikroorganismen lösen Stickstoffverbindungen aus den Exkrementen heraus und wandeln sie in Ammoniak um. So entsteht ein ausgezeichneter Dünger, welcher jedoch die gasproduzierenden Bakterien lähmt. Joachim Krassowski, Leiter der Arbeitsgruppe Biogas am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Oberhausen sagt: „Anlagen, in denen Exkremente verwertet werden, fallen öfter aus”. Ein finnisches Unternehmen namens Ductor hat es nun geschafft, eine Technik zu entwickeln, mit der auch große Mengen an Exkrementen in Biogas umgewandelt werden können. Dieses Verfahren bietet den Vorteil, dass der Einsatz von Energiepflanzen auf ein Minimum reduziert werden kann.

Im neu entwickelten Prozess werden die Stickstoffverbindungen, die in der Biomasse gebunden sind, in einer vorgeschalteten Anlage von Bakterien herausgelöst und in Ammoniak verwandelt. “Das ist der gleiche Prozess, der auch in der Biogasanlage stattfindet”, sagt Krassowski. Anschließend wird das Ammoniak aus der Suspension entfernt, dieser Prozess wird Stripping genannt. Hierbei wird ein Gas durch die Flüssigkeit geleitet, wodurch das Ammonium mitgerissen wird. So entsteht letztlich ein hochwertiger Dünger.

Das für die Bakterien verträglichere Substrat wird dann in die Biogasanlage gepumpt. Laut Ductor-Geschäftsführer Ari Ketola konnte eine Pilotanlage in Finnland Problemlos mit reinem Hühnermist betrieben werden. Deutschlandweit sind zurzeit zwei Anlagen im Bau. Eine dritte hat der Biogasanlagenbetreiber BGA Leemhuis in Weener an der Ems kürzlich angeordert.

Ketola betont: “Allein in Europa könnte die Biogasindustrie mit unserer Technik einen zusätzlichen Gewinn von einer Milliarde Euro pro Jahr erzielen und gleichzeitig den
CO2-Ausstoß um 1,5 Milliarden Tonnen senken. Darüber hinaus würden mehr als 800.000 Hektar Nutzfläche, die derzeit für den Anbau von Energiepflanzen verwendet werden, für die Nahrungsmittelproduktion frei.”

Das Unternehmen wird mit einem gesteigerten Gasertrag bei Biogasanlagen mit vorgeschalteter Ductor-Technik. Quantifiziert wurde diese Aussage jedoch noch nicht. “Wir haben angeboten, entsprechende Messungen in der ersten großtechnischen Anlage durchzuführen”, sagt Krassowski, der die Pilotanlage der Finnen bereits in Augenschein genommen hat. Er weist aber auch darauf hin, dass Effektivitätsverbesserungen in diesem Stadium sehr schwierig zu beurteilen sind.          

Weitere Informationen unter http://green.wiwo.de/biogas-aus-mist-neue-technik-macht-energiepflanzen-ueberfluessig/

              

 


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