Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


DSC 2852Straubing, 23. Juli 2019 *  Am Montag, den 15. Juli 2019, veranstaltete die Regionalgruppe Niederbayern des Fachverbands Biogas den 44. Niederbayerischen Biogaspraxistag. Über 300 Teilnehmer kamen dazu ins kleine Rahstorf bei Rottenburg an der Laaber, um dort zuerst in einem Praxisteil die Felder mit der Energiepflanze Durchwachsene Silphie vom Landwirt und Bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, Hubert Aiwanger, zu besichtigen.

In einem anschließenden theoretischen Teil sprachen viele Experten zum Thema des Praxistages: „Nachhaltige Energiegewinnung mit blühenden Energiepflanzen: Anbaustrategie und Vorteile von Durchwachsener Silphie: Biodiversität, Arten-, Erosions- und Grundwasserschutz“
Angekommen auf den hügeligen Feldern, welche mit mit der Durchwachsenen Silphie bepflanzt sind, begrüßte zuerst Regionalgruppensprecher Franz Winkler, die zahlreich erschienenen Teilnehmer. Er übergab das Wort an Staatsminister Aiwanger, welcher über seine Erfahrungen als Landwirt im Anbau der Durchwachsenen Silphie berichtete. Er betonte, dass diese Energiepflanze eine Säule ist, um die Akzeptanz der Bevölkerung für die Erneuerbaren Energien wieder zurück zu gewinnen und zu stärken. Im Anschluss schilderte der Biogasanlagenbetreiber Jakob Biberger seine Erfahrungen beim praktischen Einsatz der Durchwachsenen Silphie als Biogassubstrat, denn er verwertet den Bestand von Staatsminister Aiwanger in seiner Anlage. Er betonte, dass es rührtechnisch keine Probleme beim Einsatz gibt und noch den weiteren Vorteil der Energiepflanze, nämlich die Eigenschaft, auch Randflächen, Waldstücke, Hügel oder Gewässerstreifen damit sinnvoll bepflanzen zu können. Ralf Brodmann von der Firma Donau-Silphie, sprach als Pflanzenexperte im Anschluss zu den Gästen. Auch er hob die Vorteile der aus Nordamerika stammenden Korbblütler-Pflanze hervor, welche bis zu 3,50 m hoch werden kann. Die Besonderheiten sind ihr viereckiger Stengel und die Hauptblütezeit mit den vielen gelben Blüten im Zeitraum Juni und September. Sie hat ein sehr tiefes und feines Wurzelsystem für eine optimale Wasser- und Nährstoffversorgung. Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Beherbergung vieler einheimischer Insekten- und Wildtierarten. Rodellegende Georg Hackl, Botschafter des Fachverbands Biogas, sprach im Anschluss ebenfalls ein paar Worte. Er betonte noch einmal, dass, wenn man die Erneuerbaren Energien voranbringen will, an Biogas kein Weg vorbei führt.Den Praxisteil beendete Wildlebensraumberater Hans Laumer vom Amt für Ernährung,
Landwirtschaft und Forsten in Straubing. Er wies darauf hin, dass der Anbau der Durchwachsenen Silphie stark zur Biodiversität beiträgt und auch im abgemähten Zustand stellt die Pflanze einen hervorragenden Schutz für Niederwild zur Verfügung.

Nachdem sich die über 300 Teilnehmer im örtlichen Gasthof Hagl zum theoretischen Teil eingefunden hatten, übergab Franz Winkler das Wort erneut an Staatsminister Aiwanger, welcher einen Vortrag zum Thema „Die Rolle von Biogas im Energiemix“ hielt. Er betonte den aktuellen Status Quo, dass bereits heute Strom zur Hälfte aus Erneuerbaren Energien hergestellt wird und
es in diesem Bereich ein enormes Potenzial für neue Entwicklungen gibt. Die Verbreitung einer innovativen Energiepflanze wie der Durchwachsenen Silphie kann dabei helfen, die positive Kommunikation über Erneuerbare-Energien-Anlagen in der Bevölkerung zu fördern und ins Gespräch zu bringen. Im Anschluss an seinen Vortrag stellte er sich den vielen Fragen der
anwesenden Betreiber, Landwirte und allen allgemein Interessierten. Regionalgruppensprecher Franz Winkler dankte Staatsminister Aiwanger noch einmal für die Bereitschaft, diesen Niederbayerischen Biogaspraxistag zu ermöglichen und betonte erneut, wie wichtig es ist, besonders folgende zwei Punkte an die Politik weiterzugeben, welche Betreibern wie ihm am Herzen liegen. Erstens sollen die Auflagen für Anlagen erträglich und zweitens das Ausschreibungsmodell soll vom Preis her nicht gedeckelt sein. Als nächster stellte Ralf Brodmann von der Donau-Silphie Anbaustrategien und Erfahrungen vor. Er betonte den ökonomischen Gewinn, denn es handelt sich um eine mehrjährige Pflanze, welche im ersten Jahr als Untersaatvon Mais angepflanzt werden kann. Ebenfalls ist nur im ersten Jahr Pflanzenschutz notwendig und der Aufwand nach der Etablierung ist gering, ressourcenschonend und kostengünstig. Dr. Maendy Fritz Sachgebietsleiterin „Rohstoffpflanzen und Stoffflüsse“ vom Technologie- und Förderzentrum am Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing ging im Anschluss ebenfalls auf den Anbau ein und veranschaulichte die Erfahrungen mit vielen Praxisbeispielen und Bildern aus dem sowohl vom Umwelt- als auch vom Landwirtschaftsministerium geförderten Demonstrationsprojekt „Silphieanbau in der Nördlichen Frankenalb“. Frau Dr. Fritz betonte, dass es sich bei der Durchwachsenen Silphie aber nicht um ein Futtermittel handelt, da es für Tiere schwer verdaulich ist. Der dichte Restbestand bietet bis in den Herbst und Winter hinein jedoch ein optimales Versteck und einen Lebensraum für die verschiedensten Wildtierarten und Insekten. Die Referentin warb dafür, besonderes die
Etablierung im ersten Jahr im Auge zu behalten, weil der Bestand lange stehen soll. Insbesondere habe das Demonstrationsprojekt gezeigt, dass es bei widrigen Umständen zu einer starken Verunkrautung kommen kann, die die Etablierung gefähden kann. Wenn nichts anderes helfe, soll eine Notbeerntung vorgenommen werden. Als letzter Redner des Abends sprach Josef Götz, Präsidiumsmitglied des Fachverbands Biogas e.V., über den aktuellen Stand der politischen Diskussion zur EEG-Novelle im Herbst 2019. Zuerst ging er auf die Entwicklung des Flexdeckels ein und betonte hierbei, dass dieser fast erreicht ist und der Flex-Zubau zuletzt verhalten war. Somit kann Biogas seine Aufgabe, den Ausgleich von Wind und Sonne, nur bedingt erfüllen. Er berichtete auch über die Aussagen aus der Mitgliederbefragung. Demnach wünschen sich die
Mitglieder einen geringeren bürokratischen Aufwand für den Biogasanlagenbetrieb. Sie sind zudem der Meinung, dass die Höchstgebotsgrenze im Ausschreibungsverfahren deutlich zu niedrig sind.

In seinem Schlusswort dankte Franz Winkler den Anwesenden für das zahlreiche Kommen und betonte, dass Biogas Perspektiven schafft sowohl in der Energieerzeugung als auch in der regionalen Wertschöpfung. Im Speziellen bedankte er sich bei Norbert Wagner vom Bürgerenergieverein Neufahrn in Niederbayern, welcher durch seine Idee diesen Tag erst
ermöglicht hat.

 


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