Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Witzenhausen, 02. April 2019* Am 26. Februar 2019 fand sich eine Gruppe von über 20 Personen, zusammengesetzt aus Biogasanlagenbetreibern, Anlagenprojektierung, einem Vertreter des Fachverbands Biogas, Biogasfirmen, Presse und Wissenschaft, im Klostergebäude des Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften (FB11) der Universität Kassel in Witzenhausen zu einem interdisziplinären Workshop zusammen, der verfahrenstechnische, humusbilanzielle und ökonomische Aspekte der Getreidestroh-Vergärung sowie allgemeine Herausforderungen und Chancen für die Praxis näher unter die Lupe nahm. Hintergrund ist die zunehmende energetische Nutzung von Getreidestroh in der anaeroben Vergärung, die im Hinblick auf die Humusersatzleistung des Gärrests zunehmend kontrovers diskutiert wird.

Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Projektes „SOMenergy – Gewährleistung einer ausreichenden Humusreproduktion bei der energetischen Nutzung von Getreidestroh für die Biogasproduktion“ (FKZ 224048412/22402914), gefördert vom BMEL über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) (Projektträger), durchgeführt.

Zunächst begrüßte Prof. Dr. Detlev Möller vom Fachgebiet Betriebswirtschaft des FB11, Uni Kassel, die 23 Teilnehmenden des Workshops. André Wufka vom IKTS Fraunhofer Institut in Dresden präsentierte im Anschluss die Projektergebnisse zur Verfahrenstechnik der Strohvergärung im Zusammenspiel mit Hühnertrockenkot. Dabei spielen verschiedene Forme der Desintegration des Strohs im Vorfeld der Vergärung für die Gasausbeute eine zentrale Rolle.

Im Anschluss präsentierte Lucas Knebl von der Professur für Organischen Landbau der Universität Gießen die im Projekt durchgeführten Versuchsergebnisse zur Umsetzung des Strohs und der Strohkoppelprodukte (Gärprodukt, Mist) im Boden beim Winterweizenanbau. Untersucht wurden verschiedene Varianten der Strohnutzung (das vollständige Belassen auf dem Feld ohne und mit Stickstoff-Düngung sowie die Vergärung des Strohs mit Hühnertrockenkot oder die Düngung mit Rottemist). Dabei zeigte insbesondere die Komplementärdüngung des Strohs mit Hühnertrockenkot eine positive Kohlenstoff-Bilanz, während bei der Strohvergärung und der Rückführung des Gärproduktes immer noch mit einer ausgeglichenen Kohlenstoffbilanz zu rechnen ist. Einfluss auf die Umsetzung der Düngevarianten hätten so vor allem die C/N-Verhältnisse sowie die Form des Kohlenstoffes. Ähnliche Ergebnisse erläuterte im Anschluss Dr. Christopher Brock vom Forschungsring für biodynamische Landwirtschaft in Darmstadt anhand modellierter Kohlenstoffbilanzen. Ein Kernaspekt seiner Aussagen war zudem, dass die Menge an zugeführtem Kohlenstoff nicht gleichbedeutend mit dem Humusaufbau ist, da ohne ausreichende Stickstoff-Zufuhr ein großer Anteil des zugeführten Kohlenstoffs aus der mikrobiellen Aktivität als gasförmige CO2-Verluste  verloren gehen. Daher ermögliche das Gärprodukt aus der Strohvergärung aufgrund seines engen C/N-Verhältnisses eine effizientere Verwertung des Dünger-C durch die mikrobielle Biomasse im Boden.

Die Kostenbewertung der Strohlogistik verschiedener Alternativen der Strohnutzung durch Dr. Benjamin Blumenstein vom Fachgebiet Betriebswirtschaft des FB11, Uni Kassel, zeigte den Einfluss der Wahl der Mechanisierung sowie der Gärrestseparation in Abhängigkeit der Transportentfernung auf die Erledigungskosten auf. Während sich die Gärrestseparation erst bei größeren Transportentfernungen rechnet, kann die Transportmechanisierung per LKW bereits im Nahdistanzbereich lohnend sein. Beachtet werden sollten bei der ökonomischen Betrachtung stets auch die Leistungen aus der Strohvergärung (Strom, Wärme) sowie potentielle Ertragseffekte der Gärrestdüngung.

Dr. Walter Stinner präsentierte im abschließenden Vortrag Herausforderungen, Perspektiven und Chancen der Strohvergärung für die Praxis, die im Anschluss lebhaft diskutiert wurden. Dabei wurde auf den Nutzen der Biogaserzeugung im zukünftigen Energiemix der Erneuerbaren Energien im Allgemeinen sowie die Biomasse-Potenziale der Reststoffnutzung und die Herausforderungen der Strohnutzung im Speziellen eingegangen.

Im Anschluss an den Vortragsteil des Workshops erfolgte mit allen Teilnehmenden ein gemeinsames Erarbeiten neuer Impulse für die weitere Forschung im Bereich Biogas und Strohvergärung. Dabei wurde insbesondere die systemorientierte Bewertung der Strohvergärung als Ziel der weiteren Forschungsaktivitäten hervorgehoben. Dazu gehören die Bewertung der Einflüsse auf Bodenbiologie, Kohlenstoffersatz, energetische und Stoffkreisläufe sowie das Fruchtfolge- und Nährstoffmanagement, ebenso wie die Analyse ökonomischer und politischer Rahmenbedingungen.

Autor: Dr. Benjamin Blumenstein, Universität Kassel und Lucas Knebl, Universität Gießen


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