Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


DSC 8809Straubing, 18. Oktober 2018 * Am Montag, den 15. Oktober 2018 veranstaltete der Fachverband Biogas e.V. in Kooperation mit C.A.R.M.E.N. e.V. ein Fachgespräch zum Thema „Lokale Hof-Biogastankstelle: Stand der Technik, Chancen und Perspektiven“. An der Veranstaltung in Friedberg bei Augsburg nahmen 45 Personen teil, darunter Betreiber von Biogasanlagen, Planer und Hersteller.

 

Kerstin Ikenmeyer vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Energie und Technologie gab einen kurzen Überblick über den Bestand an Biogasanlagen und ging dann auf den Biokraftstoffmarkt ein. Bei der Präsentation standen die Zertifizierung und die Treibhausgasbilanzierung (THG-Bilanzierung) im Vordergrund. Die zukünftigen Ziele ermöglichen vor allem für auf Abfall basiertes Biogas ein interessantes Potenzial zur Herstellung von CNG-Biomethan.

Alexey Mozgovoy vom Fachverband Biogas e.V. behandelte die wirtschaftlichen Eckpunkte. Durch den Quotenhandel könne neben dem direkten Verkaufserlös für Biomethan nochmals ein zusätzlicher Erlös erwirtschaftet werden. Als wünschenswerten Zielpreis nannte Mozgovoy 4 ct/kWh. Gerade für Biogasanlagen, die Reststoffe oder Gülle vergären, eröffnen sich neben der direkten Verstromung in Zukunft Märkte.

Wünschenswert seien aus Sicht der Biogasanlagen Konzepte für eine kompakte Hof-Biogastankstelle. Stefan Laumann von der EnviTec Anlagenbau stellte das Unternehmen vor und ging auf die bisher errichteten Anlagen mit Gasaufbereitung und Einspeisung (Biomethan-Anlagen) ein. Er sieht in Anlagen, die ab 75 Nm³/h Biomethan aufbereiten, einen machbaren Ansatz eine Tankanlage samt Gasaufbereitung zu errichten. (Anmerkung Hubert Maierhofer, C.A.R.M.E.N. e.V.: übliche CNG-Tankstellen haben einen Absatz von etwa 3-5 Nm³/h)

Birgit Maria Wöber vom CNG-Club ging auf den CNG-Kraftstoffmarkt in Deutschland und Europa ein. Sie betonte die Notwendigkeit, den Interessenten einfache und verständliche Antworten zu geben. So solle sich die Branche auf den einheitlichen Begriff CNG einigen. Biomethan sei eine hervorragende Möglichkeit, CNG-Fahrzeuge annähernd klimaneutral zu betreiben. Die Expertin sieht für CNG eine deutlich verbesserte Marktsituation im Vergleich zu 2012 bis 2016.

Klaus Röder konnte die Erfahrungen der Stadtwerke Augsburg mit CNG-Fahrzeugen darlegen. So werde mittlerweile die gesamte Stadtbusflotte mit CNG-Biomethan betrieben. Die Fahrzeugtechnik habe sich im Vergleich zu den Anfangsjahren deutlich verbessert. Der Mehrpreis für die Fahrzeuge lasse sich durch den geringeren Kraftstoffpreis annähernd ausgleichen. Entscheidend für CNG seien die geringen Motor-Emissionen im Vergleich zu Diesel.

Winfried Vees vom Energiehof Weitenau betreibt seit etwa drei Jahren die bisher einzige lokale netzunabhängige CNG/Biomethan-Zapfsäule. Die Containeranlage auf seinem Hof sei ein Prototyp, der funktionsfähig, jedoch nicht wirtschaftlich unter den gegebenen Bedingungen zu betreiben ist. Der Methan-Schlupf der Gasaufbereitung konnte bisher nicht auf ein akzeptables Niveau gedrückt werden, um auch eine THG-Bilanzierung durch einen Gutachter durchzuführen.

Vor der Besichtigung des Betriebshofes der Stadtwerke Augsburg ging Bernhard Weigl von der EurA AG auf existierende Förderprogramme für Forschungseinrichtungen und Unternehmen ein, die in diesem neuen Geschäftsfeld aktiv werden wollen. Interessant sei hier ein Verbund von Herstellern von Biogasanlagen und Gasaufbereitungsanlagen in mehreren Staaten, um über eine Förderung wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu etablieren.

Bis zur Besichtigung der Betriebshoftankstelle konnten Fragen aus dem Teilnehmerkreis im Plenum oder in den Pausen weitgehend beantwortet werden, wenngleich der (derzeit noch unrealistische Wunsch) nach einer wirtschaftlich tragfähigen und technisch ausgereiften lokalen CNG-Biogas-Tankstelle noch offen blieb.


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