Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Strauing, 8. März 2018 * Für einen Großteil der nach dem EEG geförderten Biomasseheizkraftwerke endet die Förderlaufzeit zwischen 2025 und 2035. Die aus technischer Sicht meist noch voll funktionsfähigen Anlagen benötigen jedoch neue Konzepte um auch zukünftig wirtschaftlich zu sein. Zahlreiche Ideen für die Lösung des Problems existieren bereits, eine fundierte Auswertung wurde jedoch noch nicht durchgeführt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert nun sechs Verbundprojekte mit insgesamt 19 Teilvorhaben, in denen Wissenschaftler verschiedene Konzepte systematisch analysieren, um Betreibern Handlungsempfehlungen für die Post-EEG-Zeit zur Verfügung zu stellen.

Das BMEL fördert die Vorhaben über seinen Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) mit einer Fördersumme von insgesamt 3,4 Mio. Euro. Die Projektauswahl erfolgte im Rahmen des Förderaufruft „Strom aus Biomasse in künftigen Bioenergiesystemen“.

BE20plus:

Wissenschaftler des Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) untersuchen welche Geschäftsmodelle für Bestandsanlagen in Frage kommen um einen Weiterbetrieb, unter Umständen auch mit veränderter betrieblicher Ausrichtung, zu ermöglichen. Betrachtet werden sowohl die Teilnahme an Ausschreibungen als auch ein Weiterbetrieb ohne EEG-Förderung. Nach energiewirtschaftlichen, technischen und ökonomischen Analysen werden Geschäftsmodelle entwickelt. Mit Hilfe von Modellierungen stellen die Forscher die Auswirkungen auf den Anlagenbestand, die Strom- und Wärmeversorgung, die Land- und Forstwirtschaft sowie deren Umweltwirkungen dar. Ziel ist es Anlagenbetreibern und Industrie- und Dienstleistungspartnern neue Möglichkeiten aufzuzeigen.

ProBiogas:

Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL), die Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen erarbeiten gemeinsam praxistaugliche und innovative Geschäftsmodelle für Biogasanlagen. Die Wissenschaftler untersuchen verschiedene Optimierungsmaßnahmen, die bereits eingesetzt werden, in Bezug auf ihre ökonomischen Effekte. Anlagenbetreiber und Berater soll es anhand detaillierter Informationen zu technischen Möglichkeiten und deren ökologischen wie ökonomischen Auswirkungen möglich sein, passende Konzepte für Biogasanlagen zu identifizieren und weiterzuentwickeln.

Biogas Autark:

Wissenschaftler des Instituts für ZukunftsEnergie und Stoffstromsysteme (IZES) und der Universität Hohenheim wollen herausfinden, ob es sich für landwirtschaftliche Betriebe mit Milchvieh oder Schweinehaltung lohnt eine Biogasanlage zur Selbstversorgung mit Strom, Wärme, Kälte und Kraftstoff weiter zu betreiben. Außerdem soll untersucht werden, ob Biogasanlagen auch ohne EEG-Förderung ein Nahwärmenetz wirtschaftlich betreiben können. Die Mitarbeiter analysieren energie- und landwirtschaftliche Datensätze, berechnen Szenarien und untersuchen die Umsetzung von Eigenversorgungskonzepten in Praxisbetrieben.

Next Generation [Biogas]: 

Biogasanlagen haben neben der Energieproduktion noch weitere positive Effekte: Sie stabilisieren das Stromnetz, verringern Nährstoffeinträge in Gewässer und Methanemissionen in die Umwelt, erhöhen die Biodiversität, schließen Nährstoffkreisläufe und schaffen Wertschöpfung und Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Die Forscher der Universitäten Stuttgart und Lüneburg und der Hochschule Nordhausen wollen Anlagenkonzepte, die gezielt auf diese positiven Effekte setzen, als Post-EEG-Konzepte entwickeln und bewerten. Ziel ist es den Förderbedarf zu ermitteln, Finanzierungsmodelle zu erarbeiten und Gütekriterien für besonders erhaltungswürdige Anlagen festzulegen. Die Praxistauglichkeit wird an realen Biogasanlagen überprüft.

SmartBio:

Biogasstrom hat verglichen mit anderen Energieträgern hohe Gestehungskosten, kann jedoch zusätzlich zur Stabilisierung der Energieversorgung beitragen. Die Wissenschaftler der Hochschule Ingolstadt wollen herausfinden welches zusätzliche Einkommen sich mit dieser Fähigkeit in einem temporär und lokal agierenden Markt für flexible Strommarktteilnehmer erwirtschaften lässt. Erlöslücken nach dem Ende der EEG-Vergütung lassen sich so nicht komplett schließen, aber vielleicht verringern. Ob dieses in der Praxis tatsächlich zur Netzentlastung beiträgt, bewerten die Stadtwerke Rosenheim auf Grundlage der jetzigen und zukünftigen Netztopologie für ihr Netzgebiet Rosenheim. Unter der Vorrausetzung neuer Technologien (z.B. Blockchain) wollen sie prüfen, inwieweit ein „Smart Market“ für ihren Anlagenpool eine neue Vermarktungsmöglichkeit bietet.

REzAB:

Ein Team der Technischen Hochschule Ingolstadt, der Fachhochschule Münster und von C.A.R.M.E.N. e.V. will herausfinden, welchen Repoweringbedarf Biogasanlagen haben, die nach dem Ende ihrer EEG-Laufzeit an Ausschreibungen teilnehmen wollen. Dazu analysieren die Mitarbeiter den baulichen Zustand und das technische Optimierungspotenzial von 14 Praxisanlagen. Diese Anlagen sind repräsentativ für typische Biogasanlagen in Deutschland und wurden bereits 2010 technisch und ökonomisch bewertet und durch Repoweringmaßnahmen optimiert. Das Projekt soll die Frage klären durch welche Maßnahmen Biogasanlagen mindestens noch weitere zehn Jahre Strom produzieren können und zu welchem Preis dies möglich ist.

Nähere Informationen und Ansprechpartner zu den Projekten finden Sie hier.


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