Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Straubing, 18. September 2015 * (cli) * Ein Forscherteam der Fraunhofer UMSICHT, OmniCert GmbH und Maschinenringe Deutschland GmbH untersucht im Vorhaben „Flex75 - Anwendung der Flexibilitätsprämie für Gülleanlagen (<75kW)“, welches vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wurde, die Möglichkeiten zum wirtschaftlichen Betrieb von kleinen Güllebiogasanlagen. Es wurde gezeigt, dass Anlagen mit einer Leistung bis 75 Kilowatt grundsätzlich einen Beitrag zur Energiewende leisten können. Um den weiteren Ausbau voranzubringen müssen allerdings noch Weichenstellungen erfolgen.

Projektleiter Rolf Jung von der Fraunhofer UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg fasst die Ergebnisse des Projekts zusammen mit den Worten: „Kleine Güllebiogasanlagen können durchaus wirtschaftliche betrieben werden, haben ökologische Vorteile und sind aus technischer Sicht für den Regelenergiemarkt geeignet. (…) Dabei ist das Potenzial der Anlagen mit einer Leistung von bis zu 75 Kilowatt in Deutschland bei weitem nicht ausgeschöpft.“ In Deutschland gibt es ein Potenzial von 1000 bis 2000 Anlagen, aber derzeit sind maximal 500 gebaut. Deshalb ermitteln die Forscher nun Kriterien zum wirtschaftlichen Betrieb von kleinen Güllebiogasanlagen, welche Herstellern, Betreibern und Akteueren am Strommarkt helfen sollen, die geeigneten Rahmenbedingungen zum effizienten Betrieb der Anlage sicherzustellen. Ein interessantes Kriterium ist hierbei der negative Regelenergiemarkt, d.h. Anlagen werden von Netz genommen, sollte das Stromangebot die Nachfrage übersteigen. Voraussetzung hierfür ist eine sogenannte Fernwirkeinrichtung. Die Anlagen müssen zu einem Pool zusammengefasst werden und von der Ferne aus gesteuert, also die BHKW an- und abgeschaltet. Circa sechs bis 20 Mal im Jahr wird das das Fall sein und je nach Anlagegröße könnten Mehreinnahmen von 2700 bis 5000 Euro erwirtschaftet werden. Wenn die Fernwirkeinrichtungen direkt beim Bau der Anlage integriert werden, halten sich die Aufwendungen dafür im Rahmen. Allerdings ist ein Nachrüsten von Altanlagen technisch oft nicht möglich, kostenintensiv oder unrentabel. Investitionskosten für kleine Güllebiogasanlagen sind in Deutschland noch sehr hoch. Eine Möglichkeit zur Senkung wären Kapitalanlagen in Form sogenannter Bauherrenmodelle, bei denen die Betreiber durch vermehrte Eigenleistung Kosten sparen können. Über 550000 Euro müssen derzeit in etwa in schlüsselfertige Anlagen investiert werden. Dieser Preis lässt einen wirtschaftlichen Betrieb derzeit kaum zu. Bauherrenmodelle machen die Anlagen wirtschaftlicher und leisten auch einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende. Kleine Güllebiogasanlagen wurden vom Gesetzgeber per Definition auf maximal 75 Kilowatt Leistung begrenzt. Der Strom solcher Anlagen wird zwar höher vergütet als Strom aus größeren Anlagen, aber die starre Leistungsgrenze schränkt die Betreiber ebenfalls ein. Rolf Jung denkt, dass bis zu 1700 Anlagen in Deutschland möglich sind und die Direktvermarktung dieses Stroms eine wirtschaftliche Option für alle Beteiligten darstellt. Nur die Fernwirkeinrichtung ist für die neuen Anlagen erforderlich. Die politischen Rahmenbedingungen sind für kleine Güllebiogasanlagen wenig förderlich. Deshalb sollte eine Art Anreizfinanzierung Energiehändler künftig motivieren, auch kleine Anlagen in die Regelenergievermarktung aufzunehmen. 

 

Weitere Infos und den Endbericht finden Sie unter http://www.umsicht-suro.fraunhofer.de/content/dam/umsicht-suro/de/documents/pressemitteilungen/2015/Abschlussbericht_Flex_75.pdf


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