Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


BGA Gorge Farm Kenia Lake NaivashaStraubing, 27. August 2015 * (SLP) * Die Firma Snow Leopard Projects GmbH (SLP) aus Reisbach hat nach einer Bauzeit von mehr als einem Jahr die größte Biogasanlage in Afrika in Betrieb genommen. Sie steht in Kenia am Naivasha See, etwa 70 km nördlich der Hauptstadt Nairobi. Völlig neu ist, dass die Biogasanlage den erzeugten Strom auch in das öffentliche Stromnetz einspeist. Der Investor Tropical Power ist die erste Firma in Kenia, die einen Einspeisevertrag (Power Purchase Agreement) für Biogasstrom erhalten hat. Katharina Danner, Geschäftsführerin der SLP, meint, „wir sind stolz darauf die ersten zu sein, die in Afrika Strom aus einer Biogasanlage ins öffentliche Netz einspeisen. Hier kann uns keiner mehr überholen.“

 

Die Biogasanlage hat eine elektrische Kapazität von bis zu 2,4 Megawatt. Zwei Blockheizkraftwerke (BHKWs) mit jeweils 1,4 MW sind auf der Biogasanlage installiert. Da bei einer Höhenlage von über 2.000 m der Sauerstoffgehalt der Luft so gering ist, können die Motoren aber nur mit jeweils 1,2 MW betrieben werden. Bei Nacht wird weniger Strom gebraucht als am Tag, deshalb läuft nachts nur ein Motor und während tagsüber dann beide Motoren betrieben werden.

Die Biogasanlage wird täglich mit ca. 120 to Gemüseabfällen gefüttert. Das sind Bohnenstroh, Brokkolistämme oder Maisstängel aus der Gemüsemaisproduktion. Die Abwärme der Motoren wird in ein Gewächshaus geleitet, in dem Nützlinge für die biologische Schädlingsbekämpfung gezüchtet werden. Der energetische Gesamtwirkungsgrad liegt daher bei ca. 90%. SLP-Biogasanlagen unterscheiden sich von herkömmlichen Silomais-Biogasanlagen dahingehend, dass sie mit einer vorgeschalteten Batch-Hydrolyse arbeiten. Die Batch-Hydrolyse funktioniert nach dem Prinzip des Pansens einer Kuh und ist aufgrund dessen in der Lage  Stroh und anderes faseriges Material aufschließen. Mike Mason, der Projektentwickler und Investor aus Oxford, England, stellt fest: „die Biologie der SLP-Biogasanlagen arbeitet um ein Dreifaches schneller und effektiver als die herkömmlicher Silomais-Biogasanlagen. Das haben meine vergleichenden Recherchen ergeben.“

Die Hauptschwierigkeit beim Bau der Biogasanlage lag in der mangelnden Qualität der Betonarbeiten beim Behälterbau. Was in Deutschland eine Routinearbeit ist, ist in Kenia eine Mammutaufgabe. Ein Stahlbetonbehälter mit 6.000 m³ wurde dort noch nicht gebaut. Mike Nolan, Technischer Direktor bei Tropical Power, schlussfolgerte dazu, „der einzige Fehler, den wir gemacht haben, war, dass wir die Betonschalung aus Niederbayern nicht gekauft haben, sondern auf eine örtliche „Fachfirma“ gesetzt haben.“

Die Biogasanlage am Naivasha See kann als „Niederbayerische Biogasanlage“ bezeichnet werden. Die Planung kommt aus Reisbach. Die Steuerung wurde von der Firma SAR aus Dingolfing geliefert. Metallbauarbeiten kommen aus Marklkofen und Eichendorf. Andere Teile, wie Rührwerke und das Gasdach werden im Allgäu hergestellt. Die Einbringtechnik und Rohrleitungen kommen aus dem benachbarten Ried in Oberösterreich. Insgesamt wurde Equipment für über 1,5 Mio. Euro aus Bayern nach Kenia geliefert. „In der Gemeinschaft können sich auch kleine mittelständische Firmen am Export beteiligen und nicht nur die Konzerne“, sagt Walter Danner von der SLP mit Stolz.

Mit der Biogasanlage werden die regelmäßigen Stromausfälle in Naivasha Geschichte sein. Die Notstromaggregate, die mit Diesel betrieben werden, werden nun die meiste Zeit still stehen. Die Biogasanlage stabilisiert zudem die Spannung im Stromnetz. Starke Schwankungen in der Spannung haben in der Vergangenheit zu großen Schäden an elektrischen Einrichtungen geführt. Die Schäden belaufen sich oft auf über 100.000 Dollar pro Firma und Jahr. Mit der Biogasanlage in Naivasha ist die Stromversorgung in der Gegend verbessert worden. Zudem  sichert das Projekt auch die 9.000 Arbeitsplätze im Gemüseanbau vor Ort in Naivasha.

Nachdem die Biogasanlage jetzt Biogas produziert, wird das nächste Projekt in Angriff genommen. Wasserhyazinthen wachsen in Gewässern tropischer Klimazonen. Sie verdoppeln sich innerhalb von 2 Wochen. Deshalb blockieren sie Kanäle, Flüsse, aber auch ganze Seen. Bei der Wasserhyazinthe handelt es sich um ein Unkraut, das mit viel Aufwand beseitigt werden muss. Im Labor wurde die Wasserhyazinthe schon zu Biogas vergoren. In Kenia soll die Pflanze jetzt in größerem Stil in der Biogasanlage vergoren werden. Das ist jedoch nicht so einfach, weil bisher niemand Erfahrung mit der Ernte hat und wie die Pflanzen dann für die Biogasanlage aufbereitet werden müssen. Wenn es gelingt, dann wird der Naivasha-See sauberer, und es werden Nährstoffe und Biomasse für die Verbesserung der landwirtschaftlichen Böden gewonnen. Ob sich das wirtschaftlich darstellen lässt, muss sich noch herausstellen.

Die SLP wird zusammen mit dem Partner Tropical Power ein Trainingszentrum zur Ausbildung im Bereich Biogas aufbauen. Ein Ziel ist es, qualifiziertes Personal heranzubilden, damit weitere Biogasanlagen in Afrika gebaut werden können. Fehlendes qualifiziertes Personal vor Ort ist ein wesentlicher Engpass für die Verbreitung von großen Biogasanlagen in Afrika. Außerdem werden dadurch Arbeitsplätze und Einkommen geschaffen. Wer einen guten Job in seinem Heimatland hat, will nicht weg. Damit ist das auch ein kleiner Beitrag zur Entspannung in der Flüchtlingsproblematik.


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