Centrales Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V.


Straubing, 12. März 2015 * (cli) * Um die Energiebilanz und die Verarbeitungskapazitäten von Kompostwerken zu verbessern kombiniert ein neues Verfahren die Kompost- mit der Biogaserzeugung. Das Verfahren wurde von der Sutco Recycling Technik in Zusammenarbeit mit der Entsorgungs-Gesellschaft Westmünsterland (EGW) und dem Fachgebiet Siedlungswasser- und Abfallwirtschaft der Universität Duisburg-Essen. Hintergrund des Projekts ist die steigende Menge von getrennt gesammeltem Bioabfall. 2012 fielen in Deutschland circa neun Millionen Tonnen getrennt gesammelter Bio- und Grünabfälle an. Ab dem 1. Januar 2015 schreibt das novellierte Kreislaufwirtschaftsgesetz flächendeckend die getrennte Entsorgung von Biomüll vor. Prognosen zufolge wird die Menge dadurch um bis zu 30 Prozent steigen, denn bisher wurde ein großer Teil des Bioabfalls mit dem Restabfall vermischt entsorgt. Dadurch werden Konzepte nötig, die die Kapazitäten der rund 1.000 deutschen Kompostwerke erhöhen. Der bisher übliche Kompostisierungsprozess hat die Energie vor allem bei der erforderlichen mechanischen Belüftung verbraucht. In einem neuen Verfahren trennt eine Schneckenpresse erst die flüssigen organischen Kohlenstoffverbindungen (Organik) des Bioabfalls ab. Der feste, von Organik entfrachtete Anteil wird wieder dem herkömmlichen Kompostierungsprozess zugeführt. Durch dieses Abpressen wird zusätzliche Behandlungskapazität geschaffen und die vorhandenen Anlagen können mehr Material verarbeiten. Außerdem ist das Material nach dem Pressen homogen befeuchtet und von Organik entfrachtet und verrottet dadurch um einige Tage schneller. Der Energieverbrauch pro Tonne Bioabfall reduziert sich dadurch um zehn bis 15 Prozent. In erster Linie eignen sich nasse Verfahren für das Vergären von Presswasser. Das Projektteam entschied sich daher für einen neukonzipierten Biofilmfermenter mit steilem Trichter im Fuß. Im Fermenter haften die Mikroorganismen an einem Festbett aus speziellen Textilien und bilden dadurch eine große Oberfläche. Es entsteht ein Biofilm, der einer Schleimschicht ähnelt und es werden nur geringe Mengen an Bakterien aus dem Prozess ausgespült. Durch diese große Gesamtfläche lässt sich auch die Verweilzeit des Substrats im Fermenter verkürzen, was einen hohen Durchsatz auf der Anlage ermöglicht. Dieses ganze Verfahren setzt bis zu 86 Prozent der enthaltenen Organik um. Besonders an Gartenabfällen bleibt viel Erde und Sand hängen. Wenn diese nicht kontinuierlich abgetrennt und entfernt werden, würde der Fermenter verstopft werden bzw. das Füllvolumen verkleinert. Um dies zu verhindern wurden Auffangbehälter im Fuß der einzelnen Anlagen angebraucht, aus denen der Sand regelmäßig und ohne Prozessunterbrechung abgeführt werden kann. Dieses neue Verfahren ist robuster und betriebssicherer als andere Verfahren. Um den Aufwand im Betrieb zu begrenzen und die Entsorgungssicherheit garantieren zu können, ist dieser Aufwand erforderlich. Zudem hat das Verfahren auch Kostenvorteile. Das dadurch entstehende Rohbiogas kann in Motoren zur Erzeugung von Strom und Wärme genutzt werden oder als Biomethan ins Erdgasnetz eingespeist werden. Die Gärreste werden meist zum Wässern des frischen Bioabfalls verwendet. Dies vermeidet ein externes Entsorgen, denn zur Verwendung als Dünger müsste dieser mit zusätzlichem Energieaufwand hygienisiert werden. Dieses neue Verfahren zum Kompostieren mit einer zusätzlichen Biogasstufe soll in möglichst viele der bestehenden Kompostwerke eingesetzt werden. Nach dem Abpressen der Organik wird der Bioabfall wie bisher unter aeroben Bedingungen kompensiert. Die Qualität des Komposts bleibt dabei fast unverändert. Der Praxistest dieses Verfahrens läuft im Kompostwerk Gescher der EGW, welche jährlich etwa 55.000 Tonnen Bioabfall umsetzt. Dort lassen sich aus einer Tonne Bioabfall im Jahresmittel rund 45 kg Organik gewinnen. Unter Laborbedingungen betrug die Gasproduktion 74 m3/ t Input in die Vergärung, bei der Anlage lag diese durchschnittlich bei 50m3. Die Umrüstung dauerte etwas vier Wochen und wurde im laufenden Betrieb durchgeführt. Dabei wurden zwei Schneckenpressen und zwei in Reihe geschaltete, zylindrische und schlanke Fermenter installiert sowie ein vorhandener Rührkesselbehälter als Nachfermenter umgerüstet.

 

Weitere Informationen unter: http://www.bine.info/fileadmin/content/Presse/Projektinfos_2014/PM_17_2014/PM_1714_internetx.pdf und http://www.erneuerbareenergien.de/abfall-pressen-und-biogas-erzeugen/150/406/84354/1/

 


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