Nachwachsende Rohstoffe

2.4 Flüssigbrennstoffe

Pflanzenöle (in Deutschland hauptsächlich Raps- und Sonnenblumenöl) eignen sich für die energetische Nutzung in Dieselmotoren. Pflanzenöle sind frei von Schwefel und biologisch vollständig abbaubar. Aus stärke- und zuckerhaltigen Pflanzen lässt sich der Alkoholkraftstoff Ethanol gewinnen. Über die Vergasung können aus trockener Biomasse auch synthetische Kraftstoffe oder der Treibstoff Methanol hergestellt werden. Ethanol, hergestellt aus Getreide oder zuckerhaltigen Pflanzen, eignet sich hervorragend für den Einsatz in Benzinmotoren und ist in Brasilien und Schweden bereits in großem Maßstab im Einsatz.

2.4.1 Natives Pflanzenöl

Zur Nutzung von nativen, also naturbelassenen Pflanzenölen in Dieselmotoren bedarf es einer eigens dafür angepassten Verbrennungstechnik. Bekannt geworden sind derartige Motoren durch die Firma Elsbett. Mittlerweile existiert für Rapsöl eine DIN E 51 605 (www.din.de). Dieser Normentwurf hat den Qualitätsstandard für Rapsöl als Kraftstoff abgelöst.

In Deutschland gibt es mittlerweile über 200 sogenannte Ölpressen, die mit Hilfe von dezentralen Anlagen bei Verarbeitungskapazitäten von bis zu 10 Tonnen Rapssaat die Endprodukte Rapsöl und Rapskuchen herstellen.
Die Qualitätssicherung gewinnt bei derartigen Anlagen zunehmend an Bedeutung (www.tfz.bayern.de). Rapsöl ist mittlerweile an einigen öffentlichen Tankstellen erhältlich (www.rerorust.com). Der Preis für Rapsöl ab Tankstelle liegt deutlich unter dem Preis für Dieselkraftstoffe.

Naturbelassene Pflanzenöle eigenen sich insbesondere als Treibstoffersatz für Land- und Forstwirtschaftliche Maschinen (www.fnr.de/100traktoren2005). Das "100-Schlepper-Programm" soll die Praxistauglichkeit von Pflanzenölkraftstoffen beweisen. Im Rahmen einer bundesweitflächendeckenden Informations- und Beratungsinitiative wird zur Zeit auf Länderebene eine flächendeckende Kampagne initiiert. Gefördert werden diese Maßnahmen von der Fachagentur (FNR) im Auftrag des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL).

Ein weiterer Einsatzbereich von Pflanzenöl-Treibstoff sind Blockheizkraftwerke (BHKW), die stationär gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen (siehe Anbieter von Pflanzenöl-BHKW). Zum "Expertenforum Pflanzenöl in BHKW und Traktoren" im Februar 2002 in Straubing berichtete CARMEN über Erfahrungen mit Pflanzenöl-BHKW in Bayern.
Eine Liste von PKW- Umrüstern für den Pflanzenölbetrieb finden Sie unter Bezugsquellen.

2.4.2 Biodiesel

Biodiesel kann aufgrund seiner Verbrennungseigenschaften in allen herkömmlichen Dieselmotoren eingesetzt werden. Um aus Pflanzenöl Biodiesel herzustellen, ist die chemische Behandlung (Umesterung) unter Zuhilfenahme von Alkohol notwendig. Nebenprodukte der Biodieselgewinnung ist Glycerin.

Da Biodiesel sich chemisch anders zu Kunststoffen verhält als fossiler Dieselkraftstoff, müssen die im Kraftstoffsystem eingebauten Elastomere (Leitungen, Dichtungen) aus biodieselresistenten Stoffen hergestellt werden. (Das Gleiche gilt im übrigen für Lagerbehälter für Biodiesel; siehe in diesem Zusammenhang: Hinweise zur Lagerung von Biodiesel).
Für den störungsfreien Motorbetrieb ist es erforderlich, dass der biogene Treibstoff Mindestqualitätseigenschaften besitzt (EN 14 214). Die AGQM-Biodiesel kontrolliert bei den Mitgliedern die Einhaltung der Qualitätskriterien (www.agqm-biodiesel.de) Mittlerweile gibt es an etwa 1.900 öffentlichen Tankstellen Biodiesel (www.ufop.de) Eine wechselseitige Betankung mit fossilem Diesel ist möglich. Eine Vielzahl von Fahrzeugherstellern haben Biodiesel für den Fahrzeugbetrieb freigegeben (www.biodiesel.de).

Die chemische Struktur von Biodiesel begünstigt eine vergleichsweise schadstoffarme Verbrennung, insbesondere betrifft dies die Partikelemissionen. Der Einsatz eines Oxidationskatalysators führt zu einer weiteren Verbesserung der Emissionswerte.

Biodiesel hat mittlerweile für Dieselkraftstoffe einen Marktanteil von etwa 5% erreicht (www2.biodieselverband.de/vdb/biodiesel/marktdaten.html).
Lesen Sie zum Thema einen Vortrag von Dr. Onno Syassen: "Biodiesel: Beitrag zum zukünftigen Verkehr"

2.4.3 Alkoholtreibstoffe

Ethanol entsteht durch die alkoholische Vergärung aus zuckerhaltigen Pflanzen (Zuckerrübe, Zuckerrohr) oder stärkehaltiger Pflanzen (Getreide, Mais). In Europa, insbesondere in Schweden und Frankreich, aber auch in Deutschland werden verstärkt Anstrengungen unternommen, Ethanol Benzinkraftstoffen als Additiv beizumischen, aber auch Ethanol (E85) als zusätzliche Kraftstoffalternative für Benzin-Motoren anzubieten.
Bio-Ethanol-Initiativen in Straubing und in der Region Chiemgau-Inn-Salzach



Methanol, der einfachste Alkoholtreibstoff, wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. (siehe www.methanol.org). Sowohl mit Benzinmotoren als auch mit Brennstoffzellen lassen sich hohe Antriebswirkungsgrade herstellen. Über den Prozess der "Vergasung" kann Methanol aus trockener Biomasse hergestellt werden. Methanol ist ein wichtiger Grundstoff für die chemische Industrie und könnte als Flüssigkraftstoff über das bestehende Tankstellennetz vertrieben werden.

2.4.4 Synthetische Treibstoffe

Über die thermochemische Vergasung lassen sich aus unterschiedlichen trockenen Biomassen synthetische Kraftstoffe herstellen. Als Rohstoffe eignen sich neben holzartigen Brennstoffen auch Stroh oder Energiepflanzen. Nach der Vergasung wird mittels einer Synthese aus dem Gas ein flüssiger Kraftstoff hergestellt.
Das Verfahren ist auch unter dem Begriff BtL (Biomass to Liquid) bekannt
(www.btl-plattform.de). Insbesondere Volkswagen setzt große Erwartungen in diesen "Sonnenkraftstoff".
In Freiberg steht eine Versuchsanlage, die in Zukunft in großem Maßstab synthetischen Kraftstoff produzieren soll (www.choren.com/de).



 
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