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Projekte/ Biomasseheizkraftwerk Pfaffenhofen
Umweltfreundliche Energie für Industrie, Stadt und
Landkreis
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Biomasse-Heizkraftwerk Pfaffenhofen
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"Pfaffenhofen hat das Klimaschutzziel erreicht"
Zur Geschichte
Die ersten Ideen für ein Biomasseheizwerk in Pfaffenhofen an der Ilm stammen
aus dem Jahr 1989;entsprechende Bemühungen verliefen aber zunächst im
Sand. Am 10. März 1997 gründeten dann fünf ortsansässige Geschäftsleute
die "Biomasse Heizkraftwerk Pfaffenhofen GmbH", die das Projekt schließlich
verwirklichten. Das Heizkraftwerk wurde im Sommer 2001 erfolgreich in
Betrieb genommen.
Die Anlage speist jährlich 40.000 Megawattstunden (MWh) elektrischen Strom
ins Netz des regionalen Energieversorgers. Die produzierte Wärme wird
von rund 150 privaten, gewerblichen und kommunalen Kunden abgenommen.
Dafür wurden etwa 12 Kilometer Leitungen verlegt.
Die Technik des Heizkraftwerkes
Das Heizkraftwerk Pfaffenhofen erzeugt in einem Biomassekessel mit 26,7
Megawatt (MW) Feuerungswärmeleistung und zwei Reservekesseln mit 10,5 und
21,0 MW Strom und Dampf. Über ein Fernwärmenetz wird die Abwärme zu den
Kunden transportiert, wo sie zur Beheizung und Klimatisierung von Wohn-
und Geschäftsgebäuden genutzt wird.
Der Biomassekessel ist ein Dampfkessel mit Naturumlauf. Das Wasser wird
nicht über eine Pumpe bewegt, sondern steigt durch Erhitzung als Dampf auf.
Der Kessel wurde in selbsttragender Bauweise mit Membranwänden mit einer
sehr geringen Bauhöhe errichtet. Die Heizflächen enthalten nur eine vergleichsweise
geringe Wassermenge, was ein schnelles Anfahren ermöglicht. Außerdem wird
eine gleichmäßige Temperatur erreicht, wodurch unerwünschte Wärmespannungen,
die Risse verursachen können, vermieden werden.
Der Kessel ist ausgestattet mit einem wassergekühlten, schräggestellten
Vibrationsrost. Dieser ist hydraulisch mit dem Dampfkessel verbunden, so
dass auch die Rostwärme zur Dampferzeugung genutzt werden kann. Die Rostkühlung
verhindert zudem eine Überhitzung der Roststäbe. Die Holzhackschnitzel gelangen
über eine Wurfbeschickung in die Feuerung. Durch optimierte Luftzuführung
und periodische Rostvibrationen werden ein guter Ausbrand und niedrige Emissionen
erreicht.
Technische Daten zum Biomassekessel:
| Wärmeverbrauch: |
26,75 MW |
| Brennstoffverbrauch: |
10.620 kg/h |
| Kesselleistung: |
23,3 MW
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| Frischdampfzustand: |
62/450 bar/°C |
| Frischdampfmassenstrom: |
30 t/h |
| Luftmassenstrom: |
12,67 kg/s |
| FRauchgasmassenstrom feucht: |
16,15 kg/s |
| Abgasverlust: |
2,2 MW |
| Kesselwirkungsgrad: |
87,2 % |
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Die beiden Reservekessel, zwei Flammrohr-Rauchrohr-Dampfkessel mit Zweistoffbrenner,
werden mit Erdgas betrieben und gewährleisten die Energieversorgung bei
Ausfall des Holzkessels und die Deckung des Spitzenbedarfs. Dabei werden
die Kessel in Kombination so eingesetzt, dass eine Feuerungswärmeleistung
von insgesamt 50 MW nicht überschritten wird. Sollte Erdgas nicht zur Verfügung
stehen, können die Reservekessel mit Heizöl extra leicht (HEL) beheizt werden.
Die Reservedampferzeuger sind für den Betrieb ohne ständige Beaufsichtigung
geeignet (TRD 604). Aus Sicherheitsgründen wurde die Anlage so gestaltet,
dass gleichzeitig nur maximal zwei Kessel betrieben werden können.
Die heißen Teile der Anlage, wie zum Beispiel die Kesselwände, Wasser- und
Dampfrohre oder Rauchgaskanäle wurden isoliert und mit Blech verkleidet.
Die Außenseite des Kessels ist mit Mineralwolle isoliert, die in Schichten
mit Befestigungseisen und galvanisiertem Draht an der Rohrwand befestigt
wurde.
Die Rauchgaskondensationsanlage ermöglicht eine Steigerung der Energieausnutzung,
indem die Kondensationswärme des Wasserdampfes zurückgewonnen wird. Auf
diese Weise ist unter anderem auch eine Entschwadung möglich, d. h. es wird
die von außen sichtbare Dampffahne, die von benachbarten Bewohnern oft als
unangenehm empfunden wird, weitgehend vermieden. Darüber hinaus wird in
Kombination mit dem Einsatz eines Elektrofilters eine äußerst effiziente
Staubabscheidung erreicht. Die Rauchgaskondensation erfolgt hauptsächlich
im Winter. Eventuell noch vorhandene Restwärme im Kondensat kann zur Beheizung
der Anlagengebäude oder der Verwaltungsgebäude verwendet werden. Über einen
Luftvorwärmer wird die Verbrennungsluft vorgewärmt und auch die fühlbare
Wärme im Abgas genutzt.
Die Stromerzeugung
Turbinenanlage und Generator
Der im Kessel erzeugte Dampf hat in etwa eine Temperatur von 450 °C und
strömt mit einem Druck von 60 bar in die Entnahme-Kondensationsturbine.
Die vom Dampf erzeugte mechanische Energie wird im Hochdruckteil der Turbine
vom Generator, der über eine maximale Leistung von 6,1 MW verfügt, in elektrische
Energie umgewandelt. Ein Teil des Dampfes wird aus der Turbine zur Prozessdampferzeugung
entnommen, ein anderer Teil zur Erzeugung von Heißwasser.
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Technische Daten zur Turbinenanlage:
| Turbinenleistung: |
6.045 kW |
| Generatornennleistung: |
7.560 kVA |
| Generatorspannung : |
6,4 kV |
| Leistungsfaktor : |
0,8 cos phi |
| Turbinendrehzahl : |
11.300 min-1 |
| Generatordrehzahl : |
1.500 min-1 |
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Über einen Maschinentransformator speist der Generator Strom in die Kraftwerksschaltanlage
ein. Die Anbindung an das öffentliche Netz erfolgt dabei über eine Übergabeschaltanlage
mit zwei Einspeiseschaltern, der Eigenbedarf kann über zwei Transformatoren
mit je 1.600 kVA bezogen werden. Ein Prozessleitsystem visualisiert, überwacht
und optimiert den Prozessablauf über eine automatische Regelung und ermöglicht
die Beurteilung der Anlage und ihrer Fahrweise.

Fernwärmenetz
Das Heißwassernetz wird mit einer konstanten Vorlauftemperatur von 130
°C betrieben. Die Rücklauftemperatur kann, abhängig von der jeweiligen
Abnahmesituation, bis zu 110 °C betragen.
Die einzelnen Abnehmer werden über Fernwärmekompaktstationen versorgt.
Der Wärmebezug wird hierbei über eine Fernüberwachung an die Warte übermittelt.
Von dort aus werden die einzelnen Wärmeübergabestationen der Abnehmer
gesteuert, was eine optimierte Fahrweise des Fernwärmenetzes und der Kundenanlage
gewährleistet. Die Versorgung von Gebäuden mit Klimatisierungskälte erfolgt
über eine Absorptionskältemaschine, die am Heißwasserkreislauf angeschlossen
ist.
Auch Mitteltemperaturwärme kann mit Hilfe der Rauchgaskondensationsanlage
genutzt werden. Sie wird in ein eigenes Verteilungsnetz mit einer Vorlauftemperatur
von etwa 75-85 °C eingespeist und kann so die Abnehmer für Raumwärme und
Brauchwarmwasser versorgen. Ein Wasserkondensator koppelt zusätzlich Abwärme
zur Erzeugung von Niedertemperaturwärme aus dem Turbinendampf aus.
Über ein Ferndampfnetz werden Gebäude mit Prozessdampf versorgt. Als Redundanz-
und Spitzenlastkessel dient ein elektrischer Schnelldampferzeuger.
Der Brennstoff
Zur Befeuerung des Kessels werden ausschließlich unbehandelte Hölzer in
Form von Waldhackschnitzeln und Sägewerksresthölzern verwendet. Die Hälfte
des Bedarfs wird aus der heimischen Land- und Forstwirtschaft gedeckt,
die andere Hälfte aus holzbe- und holzverarbeitenden Betrieben. Die Anlage
ist für waldfrische Hackschnitzel und Sägeresthölzer mit einem Wassergehalt
von bis zu 45 Prozent ausgelegt.
Auf dem Gelände des Heizkraftwerkes wurde eine Halle zur Annahme und Lagerung
des Brennstoffes errichtet. Darin können circa 10.500 Kubikmeter Brennstoff
gelagert werden, eine Menge, die für etwa vier bis fünf Tage ausreicht.
Die Anlieferung erfolgt mit Kippcontainern, die über ein Fassungsvermögen
von rund 38,5 Kubikmetern verfügen. Das Material wird auf einen von zwei
Schubböden gegeben, die in einer über das ganze Brennstofflager durchgehenden
Abkipprinne installiert sind. In diese Rinne wird der Brennstoff direkt
abgeladen. Sobald die Kapazität der Schubböden erreicht ist, werden die
Hackschnitzel in den Lagerraum transportiert. Außerhalb der Anlieferungszeiten
werden die Schubböden dann durch eine Krananlage aus dem Lager versorgt.
Täglich werden etwa 750 Schüttraummeter Brennstoff benötigt.
Die
unterhalb der Abwurfkanten der Schubböden installierten Förderschnecken
sorgen für den gleichmäßigen Transport der Brennstoffmenge zu den Kratzkettenförderern
auch bei schubweisem Abwurf. Von dort aus wird der Brennstoff dann zum
Vorlagesilo der Biomassefeuerung transportiert.
Um im Brandfall eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern,
sind zwischen Brennstofflager und Kesselhaus im Bereich der Kratzkettenförderer
Keilschieber vorhanden, die ein Überschlagen der Flammen oder des Rauches
nicht zulassen. Außerdem verfügt das Heizkraftwerk über eine Brandmeldezentrale,
in der Signale der Brandmelder aus der gesamten Anlage zusammenlaufen
und dem Betriebspersonal anzeigen, wo Feuer oder Rauch entstanden ist.
Von dort aus ist auch eine Weiterleitung an die örtliche Feuerwehr oder
Polizei möglich.
Der Feuerraum des Biomassekessels ist großzügig dimensioniert, um ein
gutes Ausbrennen zu gewährleisten. Auch der nachfolgende Strahlungszug
ist groß genug gestaltet, um sicherzustellen, dass die Rauchgastemperatur
vor dem Überhitzer so niedrig ist, dass ein Ankleben von Flugasche vermieden
wird.
Als Abfallprodukte entstehen Aschen: Grob-, Mittel- und Feinasche sowie
Schlacke. Die unverbrennbaren Bestandteile aus der Feuerung werden über
einen Nassentascher unterhalb der Feuerung in einen Container ausgetragen.
Vor dem Economiser wurde ein Grobzyklon installiert, der die Staubbelastung
des Economisers erheblich reduziert. Des Weiteren werden die Rauchgase
der Biomassefeuerung mittels einer hocheffizienten Filteranlage entstaubt.
Die Grob- und Mittelasche kann in der Land- und Forstwirtschaft als Düngemittel
eingesetzt werden, da sie, abgesehen von Stickstoff, alle für das Pflanzenwachstum
notwendigen Haupt- und Spurennährstoffe enthält. Die übrige Asche (Feinasche)
bleibt in den Filtern hängen, ist nicht nutzbar und wird fachgerecht entsorgt.
Betreiber und Kunden
Betreiber der Anlage ist die Biomasse Heizkraftwerk Pfaffenhofen GmbH,
die 1997 von fünf Pfaffenhofener Geschäftsleuten gegründet wurde.
Hauptkunde des Heizkraftwerkes ist die Firma Hipp neben einigen weiteren
Industrie- und Gewerbebetrieben, kommunalen Einrichtungen wie der Ilmtalklinik,
dem Rathaus, dem Landratsamt und verschiedenen Schulen in Pfaffenhofen
und mehr als 100 privaten Wärmekunden, die mit Fernwärme versorgt werden.
Die erzeugte Kälte wird zur Raumklimatisierung von Bürogebäuden und als
Prozesskälte für die Brauerei Müllerbräu verwendet. Durch hocheffiziente
Rauchgasreinigungssysteme werden zudem die üblichen Emissionswerte bei
dem Biomasseheizkraftwerk Pfaffenhofen deutlich unterschritten.
Investition
Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 33.313.222 EURO (65.155.000 DM).
Der förderfähige Betrag umfasst dabei 29.864.558 EURO (58.410.000 DM). Daraus
ergibt sich bei einer Förderung von 48% durch den Freistaat Bayern und den
Bund eine Fördersumme von 14.334.988 EURO (28.036.800 DM).
Kosten:
| Biomasekessel incl. Rauchgasreinigung |
7.419.000 € |
| Reservekessel |
1.074.000 € |
| Heiz- und Kraftwerktechnik |
10.451.000 |
| Dampf-/Wärmenetz, Kälteversorgung |
12.118.000 € |
| Bauliche Anlagen |
3.170.000 € |
| Planung und Projektbetreuung |
3.109.000 € |
| Grundstück incl. Erschließung |
2.224.000 € |
| Brennstofflogistik, Bauleitzinsen |
1.340.000 € |
| Summe |
40.905.000 € |
Der Beitrag zum Umweltschutz
Werden fossile Energieträger durch Biomasse ersetzt, können Strom und
Wärme zu mehr als 90 Prozent CO2-neutral erzeugt werden. Dadurch wird
ein enormer Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Durch den Betrieb des Heizkraftwerkes
Pfaffenhofen können jährlich etwa 24 Millionen Liter an Heizöl eingespart
und damit 65.000 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden.
Am Projekt waren beteiligt:
Technik Kraftanlagen Anlagentechnik München GmbH, München
Bau Max Hechinger Bauunternehmen, Pfaffenhofen
Architektur Peter Hechinger Planungsbüro, Pfaffenhofen
Konzept eta Energieberatung GbR, Pfaffenhofen
Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Biomasse-Heizkraftwerk
Pfaffenhofen GmbH
Raiffeisenstr. 19
85276 Pfaffenhofen
Ansprechpartner: Herr Bauer
Tel.: 0 84 41 / 49 8 49-0
Fax: 0 84 41 / 49 8 49-9
ETA-Energieberatung
Bildunterschriften (Bildnachweise):
Bild 1: Titelbild (eta Energieberatung, Ansicht Heizkraftwerk von hinten)
Bild 2: Blick in das Hackschnitzellager (eta Energieberatung)
Bild 3: Einbau des Biomassekessels ( CARMEN)
Bild 4: Im Inneren des Kessels (eta Energieberatung) Bild 5: Turbine zur
Stromerzeugung (eta Energieberatung)

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