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C.A.R.M.E.N.-Forum: Nachwachsende Rohstoffe im Spannungsfeld wachsender Märkte

Nahrung und Energie - Widerspruch oder Synergie


Straubing, 02. April 2007* (schu)
* Das 14. C.A.R.M.E.N.-Forum in Straubing stand am 26. März 2007 unter dem Titel "Nachwachsende Rohstoffe im Spannungsfeld wachsender Märkte".
Wie sehr dieses Spannungsfeld die Branche bewegt, zeigte sich in der enormen Resonanz auf die Tagung. Über 350 Teilnehmer, Vertreter von Behörden, Banken, Verbänden und der verarbeiten-den Industrie ebenso wie Landwirte, Waldbesitzer und fachlich Interessierte nutzten die Gelegen-heit, sich mit diesem aktuellen Thema auseinander zu setzen. Die Veranstaltung wurde gemein-sam vom Bayerischen Bauernverband und von C.A.R.M.E.N. e.V., der bayerischen Koordinierungsstelle für Nachwachsende Rohstoffe durchgeführt.

In seiner Eröffnungsrede betonte Landwirtschaftsminister Josef Miller: "Die Bioenergieerzeugung aus der Landwirtschaft kann in Synergie zur Nahrungsmittelerzeugung treten, wenn das Gesamt-system aus beiden Erzeugungsrichtungen so ausbalanciert wird, dass für Landwirtschaft, Ernäh-rungswirtschaft und Agrar-Energiewirtschaft das Optimum gesucht und gefunden wird." Um diese Verwertungsrichtungen gegenseitig auszutarieren, wurde an der TU München (Wissenschafts-zentrum Weihenstephan) bereits ein Forschungsauftrag initiiert.

Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, machte deutlich, dass er an Nach-wachsenden Rohstoffen keine Kritik gelten lässt. Wer ein Spannungsfeld zwischen Nachwach-senden Rohstoffen und Nahrungsmitteln fürchtet, übersieht die sich bietenden Chancen. "Wenn bei jeder Investition, egal in welchen Bereich, die Grundsätze der betriebswirtschaftlichen Pla-nung eingehalten werden, wird es nur "positive Spannungen" zwischen den Nachwachsenden Rohstoffen und der Nahrungsmittelproduktion für uns Landwirte geben", erklärte Sonnleitner.

1. Block: Marktsituation Nachwachsender Rohstoffe

Unter dem Blickwinkel der internationalen Agrarpolitik ging Prof. Dr. Otmar Seibert von der Fach-hochschule Weihenstephan auf Produktions- und Markttrends Nachwachsender Rohstoffe ein. Beim Getreide wird derzeit etwa 9 Prozent der Weltproduktion für die Stärke- und Energiebereit-stellung eingesetzt. Die Lagerbestände nehmen insgesamt ab, der Weltmarktpreis steigt. Auch beim Pflanzenöl wird ein zunehmender Bedarf für menschliche Ernährung, Biokraftstoffe und Ver-fütterung registriert. Hierdurch ergeben sich viele wichtige Herausforderungen, z. B. die Überarbeitung des Zollsystems und die Schaffung eines weltweiten Zertifizierungssystems zur Bewertung der Umweltverträglichkeit.

Dr. Armin Vetter von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft sieht derzeit und in naher Zu-kunft keine wesentliche Bedeutung im Anbau von Energiepflanzen auf dem Ackerland. Dennoch stellte auch er fest, dass die welt- und deutschlandweite Nachfrage nach Biomasse ansteigt. Damit ist aus marktwirtschaftlichen Gründen ein Preisanstieg verbunden, unabhängig davon, ob die Rohstoffe später für Ernährungszwecke, Futtermittel oder Energieerzeugung eingesetzt wer-den.


2. Block: Rohstoffproduktion - Neue Ansätze für Produzenten

Sven Böse von der Saaten Union stellte Getreide als klimatisch am besten angepassten und viel-fältig nutzbaren Nachwachsenden Rohstoff vor. Über optimierte Anbauverfahren und entspre-chende Sorten könnte es zukünftig noch energieeffizienter erzeugt werden.

Verwertungsmöglichkeiten für Non-Food-Mais präsentierte Dr. Joachim Eder von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Einerseits wird Mais als Rohstoff für z. B. die Papier- und Pharma-industrie oder die Kleberproduktion genutzt, andererseits kommt die Energieerzeugung in Biogas-anlagen und mittelfristig auch die Kraftstoffproduktion in Frage. Insbesondere für die Biogaserzeugung werden an Mais als Substrat besondere Anforderungen gestellt, an deren Optimierung die Landesanstalt arbeitet.

Dr. Jürgen Bauer von der Cluster-Initiative Forst und Holz in Bayern, wies auf das hohe ungenutzte Holzpotenzial bayerischer Wälder hin. Unter Beachtung des Nachhaltigkeitsgrundsatzes kann die Holznutzung weiter verstärkt werden. Die Holzstoffströme haben sich grundsätzlich geändert. Insbesondere die Nachfrage im energetischen Bereich ist auch durch zunehmende Installation automatisch beschickter Feuerungsanlagen stark gestiegen. Weil außerdem die Konkurrenz zwischen energetischer und stofflicher Holznutzung weiter zunehmen wird, kann der Anbau von Energiewäldern zur Erhöhung der Rohstoffversorgungssicherheit beitragen.

3. Block: Rohstoffsicherung - Herausforderung für Betreibermodelle

Dr. Fred Zeller von der Süddeutschen Zuckerrübenverwertungs-Genossenschaft (SZVG) ging auf die Rohstoffversorgung für die Ethanolproduktion ein. Aufgrund der zu erwartenden Reformen der EU-Zuckermarktordnung haben die süddeutschen Rübenbauer seit langem eine Nutzung der Zu-ckerrübe außerhalb des Lebensmittelbereichs ins Auge gefasst. Eine Verwertung von Rüben für die Ethanolerzeugung scheint hier erfolgversprechend. Bereits jetzt werden 55 Prozent aller Etha-nolrüben der Südzucker AG in Bayern erzeugt.

Die "Rohstoffflüsse eines Biomasseheizwerks" stellte Marion Höcht vom Maschinenring Tirschen-reuth e.V. vor. Zwar sind die Landwirte die Besitzer der Biomasse, sie fungieren vielfach jedoch als reine Rohstofflieferanten und tendenziell werden Rohstofflieferanten weltweit immer ärmer. Mit Unterstützung des Maschinenringes kann eine Verlängerung der Wertschöpfungskette und eine Steigerung der regionalen Wertschöpfung erreicht und der Landwirt stärker eingebunden wer-den.

Auch Mathias Klöffel vom Bayerischen Bauernverband Röhn-Grabfeld gestand dem Entscheidungsbereich der Landwirte eine hohe Bedeutung zu. Nur die Landwirte können entscheiden, ob sie selber investieren oder nur ihre Rohstoffe abliefern. Diese Fragen stellen sich im Zusammen-hang mit dem Thema Biogas immer wieder. Eine Kombination ist hier vielfach als Idealfall anzu-sehen. Außerdem ist eine sinnvolle Verwertung der Abwärmenutzung anzustreben, wodurch die Wirtschaftlichkeit deutlich erhöht werden kann.

Einige Vorträge können im Internet bei C.A.R.M.E.N.heruntergeladen werden. Ein Tagungsband vom Forum ist für 15 Euro (zzgl. Versand) bei C.A.R.M.E.N. erhältlich.

Informationen: C.A.R.M.E.N. e.V., Schulgasse 18, 94315 Straubing,
Tel.: 09421/960-300, Fax: -333, E-Mail: contact@carmen-ev.de


Circa 5.700 Zeichen, Abdruck frei, Belegexemplar erbeten.
Presseanfragen an Ursula Schulte, Tel. 09421 - 960-349

 
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